Nachlass von DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington nun in Kulinarik-Archiv
Am 4. Mai 2025 ist Ursula Winnington mit 96 Jahren in Berlin verstorben. Sie war eine der bekanntesten Publizistinnen und die prominenteste Kochbuchautorin der ehemaligen DDR und hinterlässt mit ihren Kochbüchern und Artikeln ein Stück gelebte DDR-Kulturgeschichte.
Unter ihren Werken befinden sich Schmuckstücke wie „Küche anderer Länder“ oder „Kleines Kochbuch für Kinder“. In der begehrten DDR-Zeitschrift „Das Magazin“ verfasste sie jeden Monat die Seite „Liebe, Phantasie und Kochkunst“.
Kurz vor ihrem ersten Todestag wird ihr Nachlass nun Teil des Deutschen Archivs der Kulinarik in Dresden. Maraike Wittbrodt und Lilly Böhm, Tochter und Enkelin der Autorin, übergaben ihn der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) als Schenkung. Das teilte die Bibliothek mit.
Großmutters Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert
Zum Nachlass gehört die mehr als 150 Bücher umfassende Kochbuch- und Arbeitsbibliothek von Ursula Winnington. Auch ein handschriftliches Kochbuch ihrer Großmutter aus dem 19. Jahrhundert zählt dazu, mit dem sie ihre Kochleidenschaft entdeckt hatte.
Zudem erhielt die SLUB zahlreiche ihrer Publikationen seit 1964, beispielsweise in den Zeitschriften „Das Magazin“, „Der guter Rat“ und „Sibylle“, sowie Leserbriefe und umfangreiche Korrespondenz aus den Jahren 1971 bis 1999. Diese führte sie zum Beispiel mit dem VEB Exzellent Dresden, dem Hersteller der beliebten Worcestersauce.
Kochbuchautorin veröffentlichte mehr als 1.250 Rezepte
Winnington veröffentlichte mehr als 1.250 Rezepte. Es gibt acht Kochbücher sowie eine Sammlung der Rezepte und Kolumnen. Winningtons letztes Buch erschien 2012. Darin finden sich Rezepte etwa für Mecklenburger Götterspeise oder französisches Boeuf Bourguignon.
„Wir freuen uns sehr, dass der Nachlass unserer Mutter und Großmutter nun im Deutschen Archiv der Kulinarik bewahrt wird und können uns keinen besseren Ort vorstellen. Das Archiv ist eine bedeutende Quelle für vielfältigste Forschung und hochinteressant für Freunde der schönen Kunst des Kochens", sagte Lilly Böhm laut Mitteilung. Ihrer Großmutter hätte es sehr gefallen, dass sich ihr Nachlass nun bei jenen des DDR-Fernsehkochs Kurt Drummer und des deutschen Gastronomiekritikers Wolfram Siebeck befinde. „In ihren Kochbüchern und Rezept-Kolumnen mit charmanten kulturhistorischen Ausflügen in die ferne Welt zeigt sich eine ostdeutsche Lebensart, die gängige Bilder bereichern wird.“
Bedeutende Zeugnisse zur Kochkunst in der DDR
Das Deutsche Archiv der Kulinarik begründete die SLUB 2022 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden. Mit der Schenkung könne man weitere bedeutende Zeugnisse zur Geschichte der Kochkunst der DDR in das Deutsche Archiv der Kulinarik aufnehmen und so dauerhaft für Forschung und breite Öffentlichkeit bewahren und zugänglich machen, sagte Generaldirektorin Katrin Stump. „Wir danken Maraike Wittbrodt und Lilly Böhm herzlich für die Schenkung und das damit verbundene Vertrauen.“
Der Nachlass wird den Angaben nach nun bibliothekarisch erschlossen und für die Recherche zugänglich gemacht. Die Bücher sollen im „FoodStudio“ der SLUB Dresden öffentlich präsentiert werden.
(dpa/SLUB/SAKL)









