Sodexo-Studie gibt Einblicke ins Essverhalten
Essen ist für viele Menschen Pause, Belohnung und ein Stück Lebensqualität im Alltag – auch im Job. Gleichzeitig stehen viele vor der Herausforderung, Genuss, bewusste Ernährung und Budget miteinander zu verbinden. Wie diese Erwartungen das Essverhalten prägen, zeigt eine aktuelle YouGov-Befragung im Auftrag von Sodexo Deutschland.
Ein zentrales Ergebnis: Der Geschmack ist für 63 Prozent der Befragten der wichtigste Faktor bei der Essenswahl. Gesundheit folgt mit 45 Prozent, bleibt aber nachgeordnet. Der Preis spielt für 42 Prozent eine Rolle und hat insbesondere in einkommensschwächeren Haushalten eine hohe Bedeutung. Nachhaltigkeit liegt im Vergleich deutlich zurück und beeinflusst die Essenswahl insgesamt nur bei rund jedem Zehnten spürbar.
Fertigprodukte bleiben Teil von Genussmomenten
In diesem Kontext zeigt sich ein differenziertes Bild. Zwar haben 33 Prozent der Befragten eigenen Angaben zufolge den Konsum von Fertigprodukten im vergangenen Jahr reduziert, gleichzeitig bleiben gerade diese ein fester Bestandteil von Genussmomenten.
Wenn Menschen Essen genießen wollen, greifen 35 Prozent auf bewusst ungesunde Gerichte wie Tiefkühlpizza, Pommes oder salzige Snacks zurück. 22 Prozent wählen Süßes bzw. Desserts. Laut Sodexo verlieren Fertigprodukte damit zwar im Alltag an Bedeutung, bleiben aber emotional als bewusste Ausnahmekategorie bestehen – weniger als Routine, sondern als gezielt gewählter Genussmoment.
Jüngere Beschäftigte machen das Mittagessen zum Anker ihres Arbeitstages
Am Arbeitsplatz zeigt sich: Verpflegung hat für Beschäftigte eine sehr unterschiedliche Bedeutung. 41 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen das Mittagessen im Arbeitsalltag wichtig ist. 32 Prozent messen ihm dagegen weniger Bedeutung bei.
Besonders ausgeprägt ist die Wichtigkeit bei jüngeren Erwerbstätigen: Mehr als die Hälfte (52 Prozent bei den 18- bis 34-Jährigen) begreift das Mittagessen als wichtigen Tagesanker. Vor allem die junge Generation legt somit einen großen Wert auf das Verpflegungsangebot im Job. Auch zeigt sich: Mit steigendem Bildungsabschluss nimmt die Bedeutung des Mittagessens im Arbeitsalltag zu.
Beim Preis sinkt die Schmerzgrenze leicht
Gleichzeitig spielt das individuelle Budget eine immer größere Rolle. 31 Prozent der Befragten sagen, sie nutzen die Essensangebote am Arbeitsplatz nicht aufgrund des Preises. Die Schmerzgrenze für ein Mittagessen im Betriebsrestaurant liegt daher bei 6,99 Euro. Danach fallen die Akzeptanzwerte stark.
Damit sind die Befragten etwas preissensitiver geworden: Akzeptierten im Jahr 2024 noch 80 Prozent der Befragten einen Preis von maximal 6,99 Euro, sind es diesmal nur 78 Prozent.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich Ernährung im Alltag sowie im Job in einem Spannungsfeld bewegt: Menschen wollen gleichzeitig genießen, sich bewusst ernähren und dabei faire Preise bezahlen. Diese Erwartungen lassen sich nicht isoliert bedienen“, sagt Christian Niemeyer, Head of Food bei Sodexo Deutschland. "Genau darin liegt die Herausforderung für Foodservice-Anbieter. Wer heute erfolgreich sein will, muss diese Faktoren zusammenbringen – nicht nacheinander, sondern in einem Angebot. Denn Verpflegung im Arbeitsumfeld ist längst ein Teil der Employee Experience und damit ein wichtiger Faktor für Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Bindung."
Vier Profile beim Essverhalten
Die Befragung zeigt laut Sodexo vor allem eines: Es gibt nicht das eine „typische“ Essverhalten. Vielmehr sind die Erwartungen, Routinen und Entscheidungslogiken so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Um diese Vielfalt besser greifbar zu machen, hat Sodexo Deutschland auf Basis der Ergebnisse vier typische Profile identifiziert.
Die Profile basieren nicht auf einer statistischen Segmentierung, sondern auf einer qualitativen Verdichtung des Antwortverhaltens. Sie sind damit als interpretative Profile zu verstehen, ohne den Anspruch zu erheben, trennscharfe oder vollständig homogene Gruppen abzubilden.
Der „urbane Genussmaximierer" ist überdurchschnittlich jung, meist unter 40 Jahre alt, häufiger männlich, lebt oft allein und eher in urbanen Räumen. Für ihn ist Essen eng mit Genuss, Belohnung und Emotion verbunden. Wenn er sich etwas gönnt, greift er gezielt zu „ungesunden“ Komfortgerichten wie Pizza, Snacks oder Süßem. Gesundheit spielt zwar eine Rolle, steht aber selten im Vordergrund seiner Entscheidungen. Gleichzeitig nutzt er Essen auch als mentalen Ausgleich im Arbeitsalltag.
Die „preisgetriebene Pragmatikerin“ hingegen trifft ihre Entscheidungen vor allem entlang von Budget und Alltagstauglichkeit. Sie verfügt über ein eher niedriges Einkommen, befindet sich häufig im mittleren Alter zwischen 30 und 55 Jahren und lebt tendenziell eher ländlich. Für sie ist der Preis der dominierende Entscheidungsfaktor beim Essen. Entsprechend nutzt sie Essensagebote am Arbeitsplatz seltener, wenn sie diese als zu teuer wahrnimmt. Bei Zeitmangel greift sie häufig zu schnellen und einfachen Lösungen.
Die „gesundheitsorientierte Selbstoptimiererin“ legt großen Wert auf bewusste Ernährung. Sie verfügt über einen höheren Bildungsabschluss, lebt eher in urbanen Räumen und hat ein mittleres bis höheres Einkommen. Sie legt großen Wert auf natürliche Zutaten sowie Transparenz bei Lebensmitteln und reduziert aktiv den Konsum von Fleisch und verarbeiteten Produkten. Entsprechend ist ihr Konsum von Gemüse und Obst überdurchschnittlich hoch. Essen versteht sie im Arbeitskontext klar funktional: als Beitrag zu Energie, Leistungsfähigkeit und Self Care.
Der „routinierte Gewohnheitsesser“ schließlich setzt auf Verlässlichkeit und Kontinuität. Er ist häufig älter als 50 Jahre, öfter männlich, lebt in festen Haushaltsstrukturen und ist eher in ländlichen Regionen zu finden. Für ihn hat das Mittagessen nur eine geringe Bedeutung als Erlebnis, vielmehr ist sein Essverhalten stark routiniert und von Gewohnheiten geprägt. Er probiert selten neue Gerichte bei der Arbeit und greift stattdessen bevorzugt auf Bekanntes zurück. Pflanzliche Alternativen steht er eher skeptisch gegenüber. Trends oder Empfehlungen spielen für ihn kaum eine Rolle, entsprechend bleiben seine Essgewohnheiten stabil und verändern sich nur wenig.
Über die Befragung
YouGov Deutschland GmbH hat im Auftrag von Sodexo Services GmbH das Essverhalten in Deutschland erforscht. Befragt wurden insgesamt 1009 Arbeitnehmer in einer Online-Befragung im YouGov Panel Deutschland. Befragungszeitraum: 21.04.2026 bis 26.04.2026.
Ein Booklet mit den wichtigsten Ergebnissen der Befragung kann kostenfrei heruntergeladen werden. Darin findet sich auch ein Vorwort von Renato Salvatore, CEO Sodexo Deutschland, sowie eine Einordnung von Christian Niemeyer, Head of Food bei Sodexo Deutschland.
(Sodexo Deutschland/SAKL)