TikTok-Hype um Pommes: Amsterdamer Frittenladen vor Gericht
Ein Imbiss wird zum Touristenmagneten – und die Nachbarschaft wehrt sich. In Amsterdam ist der virale Frittenladen Fabel Friet zum Streitfall geworden. Nachdem der Betrieb durch Videos auf TikTok und Instagram internationale Bekanntheit erlangt hat, beschweren sich Anwohner über lange Warteschlangen, Müll und Schädlinge. Nun beschäftigt der Konflikt die Justiz.
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, wollen Anwohner erreichen, dass der Betrieb geschlossen wird. Anlass ist die erneuerte Genehmigung des Geschäfts. Der zuständige Verwaltungsrichter soll am 10. November über den Fall entscheiden.
Wenn der Social-Media-Hype die Straße füllt
Fabel Friet liegt in den Amsterdamer „Negen Straatjes“, einem bei Besuchern beliebten Viertel mit Boutiquen, Cafés und Bars. Seit 2022 verbreiten sich Videos des Imbisses in sozialen Netzwerken. Besonders gefragt sind Pommes mit Trüffelmayonnaise und Parmesan.
Die Popularität hat jedoch Folgen für das unmittelbare Umfeld. Laut dpa müssen Kunden in der Hochsaison mit Wartezeiten von mehr als einer Stunde rechnen. Die Schlangen reichen demnach teilweise bis über die Keizersgracht hinaus. Gäste essen auf Treppen vor Wohnhäusern oder blockieren mit ihren Warteschlangen schmale Gehwege. Anwohner beklagen zudem Müll, Möwen und Ratten.
Damit wird ein gastronomischer Erfolg zum Nutzungskonflikt: Was für Gäste ein angesagtes Food-Erlebnis ist, bedeutet für die Nachbarschaft Einschränkungen im Alltag.
Betreiber setzen auf Besucherlenkung
Die Betreiber Abel Klatser und Floris Feilzer weisen laut dpa darauf hin, dass sie bereits Maßnahmen gegen die Beschwerden ergriffen haben. Mitarbeiter versuchen, die Warteschlangen zu ordnen und Gäste dazu zu bewegen, ihre Pommes an anderer Stelle zu essen. Zudem würden die Abfallbehälter viermal täglich geleert. Auch der Versuch, Möwen mithilfe eines Falken zu vertreiben, blieb dem Bericht zufolge erfolglos.
Die Stadt zeigte vor Gericht Verständnis für die Probleme der Anwohner. Zugleich verwiesen ihre Vertreter darauf, dass sich der Betrieb an die geltenden Auflagen halte.
Der Fall verdeutlicht damit auch eine Herausforderung für Kommunen: Selbst wenn ein Betrieb die formalen Vorgaben erfüllt, können die Auswirkungen auf öffentliche Flächen und das Wohnumfeld erheblich sein.
Fünf Filialen trotz Nachbarschaftsstreit
Fabel Friet ist inzwischen auf fünf Standorte in Amsterdam gewachsen. Eine mögliche Schließung des ursprünglichen Geschäfts wäre für die Betreiber deshalb nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Konzepts.
Der Konflikt steht zugleich im Kontext der Debatte über den Overtourism in Amsterdam. Die niederländische Hauptstadt versucht seit Jahren, die Belastungen durch den Besucherstrom einzudämmen. Der Streit um den Frittenladen zeigt, dass dabei nicht nur Hotels und Ferienwohnungen, sondern auch stark frequentierte gastronomische Anziehungspunkte eine Rolle spielen können.
(dpa/KAGI)