Social Media

TikTok-Hype um Pommes: Amsterdamer Frittenladen vor Gericht

Außenansicht Fabel Friet Amsterdam
So shcnell kann ein Gastro-Konzept zur Konfliktsache werden: Der Fall Fabel Friet in Amsterdam geht jetzt vor Gericht. (Foto: © picture alliance/dpa/Annette Birschel)
Lange Warteschlangen, Müll und Ratten: In Amsterdam streiten Anwohner mit dem Betreiber des viralen Imbisses Fabel Friet. Der Fall zeigt, wie Social-Media-Hypes die unmittelbare Umgebung gastronomischer Betriebe belasten können. Am 10. November soll ein Gericht entscheiden.
Montag, 19.10.2026, 11:03 Uhr, Autor: Karoline Giokas

Ein Imbiss wird zum Touristenmagneten – und die Nachbarschaft wehrt sich. In Amsterdam ist der virale Frittenladen Fabel Friet zum Streitfall geworden. Nachdem der Betrieb durch Videos auf TikTok und Instagram internationale Bekanntheit erlangt hat, beschweren sich Anwohner über lange Warteschlangen, Müll und Schädlinge. Nun beschäftigt der Konflikt die Justiz.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, wollen Anwohner erreichen, dass der Betrieb geschlossen wird. Anlass ist die erneuerte Genehmigung des Geschäfts. Der zuständige Verwaltungsrichter soll am 10. November über den Fall entscheiden.

Wenn der Social-Media-Hype die Straße füllt

Fabel Friet liegt in den Amsterdamer „Negen Straatjes“, einem bei Besuchern beliebten Viertel mit Boutiquen, Cafés und Bars. Seit 2022 verbreiten sich Videos des Imbisses in sozialen Netzwerken. Besonders gefragt sind Pommes mit Trüffelmayonnaise und Parmesan.

Die Popularität hat jedoch Folgen für das unmittelbare Umfeld. Laut dpa müssen Kunden in der Hochsaison mit Wartezeiten von mehr als einer Stunde rechnen. Die Schlangen reichen demnach teilweise bis über die Keizersgracht hinaus. Gäste essen auf Treppen vor Wohnhäusern oder blockieren mit ihren Warteschlangen schmale Gehwege. Anwohner beklagen zudem Müll, Möwen und Ratten.

Mehr zum Thema

Damit wird ein gastronomischer Erfolg zum Nutzungskonflikt: Was für Gäste ein angesagtes Food-Erlebnis ist, bedeutet für die Nachbarschaft Einschränkungen im Alltag.

Betreiber setzen auf Besucherlenkung

Die Betreiber Abel Klatser und Floris Feilzer weisen laut dpa darauf hin, dass sie bereits Maßnahmen gegen die Beschwerden ergriffen haben. Mitarbeiter versuchen, die Warteschlangen zu ordnen und Gäste dazu zu bewegen, ihre Pommes an anderer Stelle zu essen. Zudem würden die Abfallbehälter viermal täglich geleert. Auch der Versuch, Möwen mithilfe eines Falken zu vertreiben, blieb dem Bericht zufolge erfolglos.

Die Stadt zeigte vor Gericht Verständnis für die Probleme der Anwohner. Zugleich verwiesen ihre Vertreter darauf, dass sich der Betrieb an die geltenden Auflagen halte.

Der Fall verdeutlicht damit auch eine Herausforderung für Kommunen: Selbst wenn ein Betrieb die formalen Vorgaben erfüllt, können die Auswirkungen auf öffentliche Flächen und das Wohnumfeld erheblich sein.

Fünf Filialen trotz Nachbarschaftsstreit

Fabel Friet ist inzwischen auf fünf Standorte in Amsterdam gewachsen. Eine mögliche Schließung des ursprünglichen Geschäfts wäre für die Betreiber deshalb nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Konzepts.

Der Konflikt steht zugleich im Kontext der Debatte über den Overtourism in Amsterdam. Die niederländische Hauptstadt versucht seit Jahren, die Belastungen durch den Besucherstrom einzudämmen. Der Streit um den Frittenladen zeigt, dass dabei nicht nur Hotels und Ferienwohnungen, sondern auch stark frequentierte gastronomische Anziehungspunkte eine Rolle spielen können.

(dpa/KAGI)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Behandschute Hände untersuchen ein Stück Fleisch
Synthetische Nahrungsmittel
Synthetische Nahrungsmittel

Airline verärgert mit Kunstfleischburger

Die Fluglinie Air New Zealand serviert seit kurzem den „Impossible Burger“ mit synthetischem Blut, Fleischersatz und Seetanggeschmack. Erzürnt schaltet sich jetzt der neuseeländische Premierminister ein.
Bowl mit Essen
Ernährungstrends
Ernährungstrends

Ernährungsstudie: Brandenburg vorn, Hamburg Schlusslicht

Wo ernähren sich die Menschen in Deutschland besonders gesund? Eine Umfrage unter 2.000 Erwachsenen sieht Brandenburg an der Spitze, während Hamburg im Bundesländervergleich den letzten Platz belegt. Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Altersgruppen.
Nachos auf Teller
Food.-Trend
Food.-Trend

Knusprig, käsig, kreativ: Was Nachos für die Gastronomie interessant macht

Am 21. Oktober ist Internationaler Nacho Day. Was einst als improvisierter Snack begann, ist heute in zahlreichen Varianten bekannt. Für Gastronomen bietet das Gericht Spielraum für kreative Toppings, unterschiedliche Portionsgrößen und pflanzliche Alternativen.
Frau im Hotelzimmer auf Bett
Neue Zaheln
Neue Zaheln

Tourismus in Deutschland: Weniger Übernachtungen im August 2026

Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im August 2026 weniger Übernachtungen gezählt als im Vorjahresmonat. Während die Nachfrage aus dem Inland zurückging, legten die Übernachtungen ausländischer Gäste zu. Für die ersten acht Monate wurde unterdessen ein neuer Rekordwert erreicht.
Touristin mit Kamera vor dem Brandenburger Tor
Wirtschaftsfaktor Tourismus
Wirtschaftsfaktor Tourismus

Tourismus in Brandenburg erzielt 5,5 Milliarden Euro Umsatz

Eine neue Studie beziffert den touristischen Bruttoumsatz im Land für 2025 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Besonders stark profitiert das Gastgewerbe – doch auch Handel und Dienstleistungen ziehen Nutzen aus der Nachfrage.
Kebab Water Flasche
Mal anders
Mal anders

Döner zum Trinken: „Kebab Water“ sorgt für Aufsehen

Döner im Fladenbrot kennt jeder – doch wie wäre es mit einem Döner im Glas? In Berlin konnten Gäste jetzt ein Getränk mit Knoblauch- und Fleischaroma probieren.
Münchner Delegation auf der Bühne nach der Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber in Baden-Baden
Deutscher Bewerber gekürt
Deutscher Bewerber gekürt

Olympia-Entscheidung: München geht ins Rennen – Chancen fürs Gastgewerbe

Die Entscheidung ist gefallen: München wird Deutschland im weiteren Bewerbungsverfahren um die Olympischen und Paralympischen Spiele vertreten. Für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus eröffnet die Bewerbung neue Chancen. Gegenüber HOGAPAGE erklärt der Dehoga Bayern, worauf es für die Branche jetzt ankommt.
Chef im Restaurant mit KI Hilfe
Nestlé Zukunftsstudie
Nestlé Zukunftsstudie

Was steht 2040 auf der Speisekarte?

Kaffee ohne Kaffee? Neue Zutaten statt klassischer Rohstoffe? Und KI als digitaler Küchen- und Ernährungsberater? Die neue Nestlé Zukunftsstudie zeigt, wie sich das Essen der Zukunft verändern könnte – und damit auch die Angebote von Gastronomie und Hotellerie.
BTW-Präsident Sören Hartmann
Verbandsposition
Verbandsposition

Tourismuswirtschaft warnt vor Folgen zentraler AfD-Positionen für den Tourismus

Das AfD-Bundestagswahlprogramm fordert unter anderem stärkere Grenzkontrollen sowie einen Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft sieht hierin Risiken für zentrale Geschäftsgrundlagen der Branche.