Kostendruck

Trotz gestiegener Bierpreise ist die Branche optimistisch

Der Deutschen liebstes Getränk im Sommer: das Bier (Foto: © MHP/stock.adobe.com)
Der Deutschen liebstes Getränk im Sommer: das Bier (Foto: © MHP/stock.adobe.com)
Das liebste Getränk der Deutschen wird zunehmend teurer. Das ist gerade auch für die Gastronomie problematisch. Dennoch blicken die Wirte optimistisch auf die Biergartensaison. 
Dienstag, 02.04.2024, 11:43 Uhr, Autor: Christine Hintersdorf

Die Thüringer Gastwirte blicken nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Thüringen nur verhalten hoffnungsvoll auf die nun beginnende Biergartensaison. „Wir merken, dass sich das Ausgabeverhalten der Gäste in den vergangenen Monaten geändert hat“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Dirk Ellinger, der Deutschen Presse-Agentur. 

Die in vielen Lebensbereichen teilweise deutlich gestiegenen Preise führten vielerorts dazu, dass Menschen nicht mehr so häufig zum Essen oder Trinken ausgingen oder zumindest sparsamer bei Bestellungen seien.

Weniger Bestellungen

Die Kostensteigerungen hätten auch viele Gastronomen direkt getroffen, sodass sie ihre Preise ebenfalls hätten anheben müssen, um einen Teil der Mehrkosten refinanzieren zu können, sagte Ellinger. Auch das führe bei manchen Menschen dazu, dass sie zum Beispiel bei einem Biergartenbesuch weniger Getränke bestellten als in der Vergangenheit.

Besonders deutlich sind die Preissteigerungen der vergangenen Monate bei vielen Hotels und Gaststätten am Bierpreis abzulesen. „Das ist unser Fokusgetränk“, sagte Ellinger. Was ein kleines Wasser kostet, wisse in der Regel kaum ein Gast. Was ein Bier kostet, sei den meisten Menschen dagegen bewusst. Deshalb fielen die Preissteigerungen bei diesem alkoholischen Getränk in der Öffentlichkeit besonders auf, sagte Ellinger.

Bis zu 6 Euro für ein großes Bier

Insbesondere in den größeren Städten des Freistaats sei es inzwischen keine Seltenheit mehr, dass Gastronomen sechs Euro für ein großes Bier – also einen halben Liter – berechneten, sagte Ellinger. Häufig lägen die Preise auf dem Land unter denen in den Städten. Noch vor einigen Monaten war Bier auch in den größeren Städten Thüringens für etwa vier Euro pro halbem Liter zu haben.

Für die Preissteigerung gibt es laut Ellinger viele Ursachen: Neben den gestiegenen Kosten der Unternehmen für Energie und Personal sowie Lebensmittel hätten die steigenden Transportkosten maßgeblich zur Verteuerung des Biers beigetragen. Seit Ende 2023 hätten viele Gastronomen die Mitteilung von ihren Logistikpartnern bekommen, dass diese infolge der steigenden Transportkosten ihrerseits die Preise anheben müssten.

Trotz dieser eingetrübten Stimmung hätten in den vergangenen Tagen bereits viele Biergärten, aber auch Cafés begonnen, Tische und Stühle auf die Straßen zu stellen. Die Gäste empfänden 15 Grad Außentemperatur nach der kalten Jahreszeit ganz anders als die gleiche Temperatur im Herbst, sagte Ellinger.„Ich vergleiche das immer mit dem Osterspaziergang – das hat etwas von Erwachen.“

Biergärten sind optimistisch 

Die Gastronomen blicken hoffnungsvoll auf die warmen Monate: „Uns geht es gut, grundsätzlich sind wir optimistisch“, sagte Dominik Ries, Inhaber des Biergartens „Schleusenkrug“ im Berliner Tiergarten.
Auch der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes bestätigte die Erwartungen an die Sommersaison 2024. Der Messe- und Kongresskalender sei gut gefüllt. „Wenn jetzt noch das Wetter mitspielt, sollte es eine gute Saison für die Außengastronomie und für die Biergärten werden“, sagte Thomas Lengfelder.

Personalmangel bleibt problematisch

„Personal ist die größte Herausforderung, weil wir viele Angestellte über den Winter nicht halten können“, sagte Ries. Oft sei seine Belegschaft erst im Juni oder Juli vollständig. Da es sich bei Biergärten aber um ein Saisongeschäft handele, müsse er ab diesem Zeitpunkt bereits darüber nachdenken, wie er die Ersten ab Herbst wieder verabschieden könne.

„Es ist schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen“, bestätigte auch Josef Laggner, Inhaber der „Fischerhütte“ am Schlachtensee in Zehlendorf. Die Personalprobleme führten auch zu höheren Kosten. Früher habe er sich noch zehn Prozent Personalüberschuss leisten können. Heute könne er mit seinen Angestellten nur 98 bis 100 Prozent des Betriebes abdecken. „Wenn die Mindestlöhne weiter steigen, dann kostet das Schnitzel bald 40 Euro“, warnte er.

Immer höhere Kosten

Nach Angaben des Dehoga-Bundesverbandes, der sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berief, war die Gastronomie deutschlandweit mit einer Kostensteigerung beim Personal um 31 Prozent zwischen Anfang 2021 und Ende 2023 konfrontiert. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich um 24 und für alkoholische Getränke um 15 Prozent zwischen Januar 2022 und Februar 2024. 

Laut Lengfelder müssen viele Biergärten Indexmieten zahlen, die inflationsbedingt stark gestiegen sind. „Es fehlen die Wintermonate, wo sie zwar Pacht zahlen, aber keinen Umsatz haben“, so der Dehoga-Geschäftsführer. „Da kommt man sehr schnell in Schieflage.“ 

Wetterabhängige Geschäftslage

Ob die Saison gut wird, hängt für Biergärten auch von Faktoren ab, die sie kaum beeinflussen können. „Das Biergartengeschäft ist vor allem wetterabhängig“, sagte Benjamin Groenewold vom Zollpackhof im Berliner Regierungsviertel. „So skandalös das klingen mag: Wir sind Klimawandelgewinner, weil wir auf stabile Sommer angewiesen sind“, sagte Ries.

(dpa/CHHI)

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