Verzichtstrend

Veganuary & Dry January: Was das für die Gastro heißt

Frau isst einen Burger und hält einen grünen Smoothie in der Hand, draußen in einem Gastronomie-Umfeld.
Vegane Gerichte und alkoholfreie Begleitungen werden stärker nachgefragt – für viele Betriebe eine Chance, das Angebot auszubauen. (Foto: © sonyachny/stock.adobe.com)
Immer mehr Gäste starten mit veganer Ernährung oder alkoholfrei ins neue Jahr – der bewusste Verzicht prägt die Nachfrage. Der Dehoga Hessen sieht darin primär Chancen für Restaurants, die ihr Angebot zeitgemäß erweitern.
Freitag, 09.01.2026, 10:40 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Die Feiertage sind vorbei, und viele Menschen setzen im Januar auf einen bewussteren Lebensstil. Statt Weihnachtsgans und Sekt rücken Verzicht und neue Routinen in den Mittelpunkt: Manche essen weniger Fleisch oder trinken weniger Alkohol, andere verzichten sogar komplett. Kampagnen wie „Veganuary“ und „Dry January“ gewinnen dadurch weiter an Bedeutung – auch für Gastronomie und Hotellerie.

Dehoga Hessen sieht Chancen für Betriebe

Für den Branchenverband Dehoga Hessen ist die Entwicklung kein Problem, sondern eine Möglichkeit, sich im Wettbewerb zu positionieren. „Wir sehen das eher als Chance“, sagt Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen.

Entscheidend sei, dass es dabei nicht nur um kurzfristige Aktionen im Januar gehe, sondern um langfristige Erwartungen der Gäste: „Um zukunftsfähig zu bleiben, kommt man gar nicht an einem guten veganen und alkoholfreien Angebot vorbei.“

In vielen Restaurants in Hessen seien vegane Gerichte inzwischen fest auf den Speisekarten verankert. Gleichzeitig nehme die Nachfrage nach alkoholfreien Speisebegleitungen kontinuierlich zu. „Das ist ein Trend, der wirklich abzusehen ist – nicht nur in der Sternengastronomie, sondern auch in der kleinen Eckkneipe.“

Vegane Gerichte passend zur Küchenlinie

Kern rät Gastronomen, vegane Angebote nicht als Fremdkörper zu sehen, sondern sie in die eigene Küchenhandschrift einzubetten. Betriebe sollten ihrer Linie treu bleiben, zugleich aber kreativ und flexibel reagieren. Denn in vielen Gruppen gebe es heute automatisch unterschiedliche Ernährungsweisen oder Unverträglichkeiten: „In größeren Runden, das kennt man ja auch aus dem privaten Freundeskreis, ist oftmals ein Vegetarier, ein Veganer oder jemand mit Unverträglichkeiten dabei.“

Damit am Ende alle Gäste eine echte Auswahl haben, sei es sinnvoll, die Speisekarte entsprechend auszurichten. „Um wirklich auch alle Gäste glücklich zu machen, stellen sich die Gastronomen bestenfalls schon mit ihren Speisekarten darauf ein.“ Kern verweist zudem auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte: „Wenn man überlegt, vor 25 Jahren, da waren der Gemüseteller oder der Salatteller oftmals die einzigen Alternativen.“

Fleischverzehr sinkt, Flexitarier werden mehr

Dass sich die Ernährungsgewohnheiten verändern, zeigt auch der Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der im November 2025 vorgestellt wurde. Demnach gab ein deutlich kleinerer Anteil an, täglich Fleisch zu essen: 24 % heute gegenüber 34 % im Jahr 2015. 37 % bezeichnen sich inzwischen als Flexitarier. Sieben Prozent ernähren sich vegetarisch, zwei Prozent vegan.

Januar wird zur neuen Fastenzeit

Aus Sicht des Dehoga verändert sich zudem der Zeitpunkt des bewussten Verzichts. Der Januar sei dabei, die klassische Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern abzulösen. „Wir beobachten eine Verschiebung, dass immer mehr Menschen zum Jahresbeginn Verzicht üben“, sagt Kern.

Trotzdem bleiben vegane und vegetarische Küche sowie Getränke ohne Promille das ganze Jahr über gefragt. „Das merkt man auch daran, dass sich Winzer und Getränkehersteller längst darauf einstellen und spannende alkoholfreie Alternativen anbieten.“

(dpa/SAHO)

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