Energiewende im Gastgewerbe: Wie Hotels und Restaurants profitieren können
Herr Gutschke, die Energiewende ist ein zentrales Thema in Bezug auf künftige Entwicklungen. Was bedeutet eine Energiewende für gastgewerbliche Betriebe?
Die Energiewende ist längst Realität und betrifft das Gastgewerbe in vielerlei Hinsicht. Hoteliers und Gastronomen stehen vor steigenden Energiekosten, neuen gesetzlichen Vorgaben und wachsenden Erwartungen der Gäste in puncto Nachhaltigkeit. Viele Betriebe schöpfen ihr Einsparpotenzial aber noch nicht voll aus. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Energieverbrauch effizient zu senken und gleichzeitig Kosten zu reduzieren.
Besonders die stark schwankenden Energiepreise stellen eine Herausforderung dar. Große Hotelketten nutzen oft langfristige Verträge und professionelle Beratung. Währenddessen fehlt es kleinen und mittelständischen Betrieben häufig an Ressourcen, um ihre Energiekosten gezielt zu optimieren. Gleichzeitig nehmen gesetzliche Regelungen zu, etwa in Form von CO2-Abgaben oder neuen Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden und Anlagen. Wer sich hier nicht frühzeitig anpasst, könnte langfristig wirtschaftliche Nachteile haben.
Wie können Gastronomiebetriebe und Hotels denn von einer Energiewende profitieren? Welche Chancen ergeben sich für die Unternehmen?
Die Energiewende bietet dem Gastgewerbe sowohl wirtschaftliche als auch strategische Vorteile. Kosteneinsparungen sind ein wesentlicher Faktor: Wer in energieeffiziente Technologien wie moderne Heiz- und Kühlsysteme oder erneuerbare Energien investiert, senkt seinen Energieverbrauch langfristig und macht sich unabhängiger von steigenden Strom- und Gaspreisen.
Darüber hinaus entstehen Wettbewerbsvorteile. Gäste achten zunehmend auf nachhaltige Konzepte und bevorzugen Hotels und Restaurants, die klimafreundlich wirtschaften. Zertifizierungen oder klimaneutrale Betriebsführungen verbessern das Image und sprechen neue Zielgruppen an. Nachhaltigkeit wird damit nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein entscheidendes Marketinginstrument.
In der Gastronomie zeigt sich ein ähnlicher Trend. Restaurants, die auf regionale und nachhaltige Produkte setzen, haben nicht nur geringere Transportkosten, sondern sprechen auch eine wachsende Zielgruppe an. Nachhaltigkeit in der Gastronomie ist also nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Chance, sich positiv vom Wettbewerb abzuheben.
Nicht zuletzt bereiten sich Unternehmen durch frühzeitige Maßnahmen auf gesetzliche Vorgaben vor und vermeiden so langfristig hohe CO2-Abgaben. Wer jetzt handelt, profitiert doppelt: durch geringere Betriebskosten und eine stärkere Positionierung im Markt. Die Energiewende ist somit nicht nur eine Herausforderung, sondern eine echte Chance für langfristigen Erfolg.
Welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz empfehlen Sie Gastronomiebetrieben und Hotels?
Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt ist der Austausch von Beleuchtungssystemen: LED-Lampen verbrauchen bis zu 80 % weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen. Auch die Optimierung von Heiz- und Kühlanlagen bringt enorme Einsparungen.
Viele Betriebe nutzen beispielsweise Lüftungs- und Klimaanlagen ineffizient – oft laufen sie unnötig auf voller Leistung. Ein weiterer großer Hebel ist die Wärmerückgewinnung. Gerade in Hotels mit Wellnessbereich lässt sich die Abwärme von Saunen oder Pools nutzen, um andere Bereiche zu beheizen. Und natürlich sollte man langfristig auf erneuerbare Energien setzen – etwa durch Planung einer Photovoltaikanlage auf dem Hoteldach oder durch Wärmepumpen.
Wichtig ist, dass Hotels und Restaurants ihren Energieverbrauch regelmäßig analysieren und entsprechend anpassen: Der erste Schritt dazu ist der Einbau eines Smart Meters. Ein professionelles Energiemanagement hilft dabei, Einsparpotenziale zu erkennen und gezielt zu nutzen. Auch Schulungen für Mitarbeiter sind ein entscheidender Faktor: Oft lässt sich der Energieverbrauch bereits durch kleine Verhaltensänderungen – wie das bewusste Abschalten von Geräten oder eine angepasste Lüftungsstrategie – spürbar reduzieren.
Aber wie können hohe Investitionen für eine nachhaltige Energiewende in gastgewerblichen Betrieben vermieden werden?
Es stimmt, dass einige Maßnahmen mit Investitionen verbunden sind. Aber sie amortisieren sich oft schneller, als viele denken. Moderne Heizsysteme oder energieeffiziente Kühltechnik können beispielsweise den Energieverbrauch sofort spürbar senken. Hinzu kommt, dass es zahlreiche staatliche Förderprogramme gibt, die solche Investitionen unterstützen. Leider wissen viele Betriebe nicht, welche Fördermittel sie in Anspruch nehmen können.
Eine Studie zur Energiewende der wattline GmbH zeigt, dass 53 % der Befragten finanzielle Ressourcen als größte Herausforderung bei der Umsetzung der Energiewende sehen. Doch gerade hier kann eine kluge Strategie dem entgegensetzen: Wer Fördermittel nutzt und in die richtigen Maßnahmen investiert, kann seine Energiekosten dauerhaft senken. Besonders bei steigenden Energiepreisen zahlt sich eine frühzeitige Umstellung auf effizientere Technologien aus.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es konkret?
Die Förderlandschaft ist komplex, aber es gibt sehr attraktive Möglichkeiten. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt beispielsweise Betriebe, die ihre Heizungsanlagen modernisieren oder auf erneuerbare Energien umstellen. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite und Zuschüsse für energieeffiziente Investitionen. Wichtig ist es, sich frühzeitig zu informieren und die richtigen Anträge zu stellen. Eventuell kann man sich auch Hilfe von Energieberatern, Fördermittelberatern oder spezialisierten Dienstleistern holen, um die passenden Förderprogramme zu finden und sie bestmöglich zu nutzen.
Und darüber hinaus: Gibt es auch Maßnahmen, die ohne große Investitionen umsetzbar sind?
Ja, viele! Einfache Verhaltensänderungen machen bereits einen großen Unterschied. Beispielsweise kann ein angepasstes Lüftungsverhalten in der Küche oder die richtige Einstellung der Heizungsanlage den Energieverbrauch deutlich reduzieren. Eine der einfachsten Maßnahmen ist die Anpassung der Beschaffungsstrategie, wie beispielsweise durch eine Energie-Einkaufsgemeinschaft. Dies bedeutet Null Mehraufwand und Gastwirte profitieren gleich von besseren Energiepreisen.
Dies ersetzt aber keinesfalls Maßnahmen wie Mitarbeiterschulungen: Wenn das Team für das Thema sensibilisiert wird, steigt die Bereitschaft, energieeffizient zu arbeiten. Kleine Änderungen wie das konsequente Ausschalten nicht benötigter Geräte, die optimale Nutzung von Spül- und Waschmaschinen oder richtiges Lüften können den Verbrauch erheblich senken. Auch smarte Steckdosenleisten mit automatischer Abschaltung verhindern unnötigen Stand-by-Verbrauch.
Nicht zuletzt spielt auch die Gästeintegration eine Rolle. Durch kleine Hinweise, etwa auf Zimmerkarten oder Speisekarten, können Gäste ermutigt werden, Handtücher mehrfach zu nutzen, das Licht beim Verlassen des Zimmers auszuschalten oder den Wasserverbrauch zu reduzieren. Solche Maßnahmen steigern nicht nur die Energieeffizienz, sondern werden von umweltbewussten Gästen oft positiv wahrgenommen.
Zum Abschluss: Wie sehen Sie die zukünftige Rolle des Gastgewerbes im Rahmen der Energiewende?
Der Druck, nachhaltiger zu wirtschaften, wird weiter steigen – sowohl durch gesetzliche Vorgaben als auch durch die Erwartungen der Gäste. Betriebe, die frühzeitig in nachhaltige Lösungen investieren, sind langfristig besser aufgestellt. Die Technologien entwickeln sich rasant weiter, und es wird immer einfacher, energieeffizient zu wirtschaften. Ich bin überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit als Standard etablieren wird. Wer sich heute darauf vorbereitet, wird morgen davon profitieren.
Vielen Dank fürs Gespräch, Herr Gutschke!
Über Philip Gutschke
Philip Gutschke ist Bereichsleiter für Energiebeschaffung bei der wattline GmbH. Während seiner Schul- und Studienzeit war er in verschiedenen gastronomischen Unternehmen tätig, unter anderem beim Ritz Carlton Catering und bei Mövenpick. Heute steuert er die Einkaufsstrategien der Energie-Einkaufsgemeinschaft und vertritt deren Interessen beim BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft). Zudem setzt er sich intensiv mit den Herausforderungen und Trends des Energiemarktes auseinander.
(SAKL)