Fraunhofer-Studie skizziert Hotels der Zukunft bis 2035
Wie sieht die Hotellerie in zehn Jahren aus – und welche Aufgaben übernimmt ein Hotel dann überhaupt noch? Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO (FutureHotel Innovation Network) liefert darauf drei wissenschaftlich fundierte Zukunftsprojektionen für das Jahr 2035.
Das Whitepaper „FutureHotel – Future Projections for 2035“ beschreibt, wie Hotels künftig als Service- und Community-Hubs, als Andockstationen für autonome Hotelzimmer oder als urbane Treffpunkte mit starker lokaler Verwurzelung funktionieren könnten. Entwickelt wurden die Szenarien mit Foresight-Methoden wie Trendanalyse, Szenarioentwicklung, partizipativen Workshops und Experten-Reviews.
Drei Projektionen: Welche Rollen Hotels 2035 übernehmen könnten
Im Kern stellt die Fraunhofer-Studie drei unterschiedliche Rollenmodelle vor, die jeweils auf spezifische Rahmenbedingungen in ländlichen Urlaubsregionen, im Business-Travel-Kontext und in urbanen Zentren reagieren.
1) Synergy Hub: Hotel als regionales Servicezentrum
In ländlichen Regionen mit alternder Bevölkerung und brüchiger Infrastruktur soll das Hotel zum synergetischen Hospitality-Service-Hub werden: ein zentraler Ort, der verstreute Unterkünfte, Dienstleister und Angebote bündelt – und damit nicht nur Gäste, sondern auch Einheimische und Mitarbeiter versorgt.
Typische Bausteine des Synergy Hub laut Studie:
- Zentraler Hub als operativer Kern (Buchung, Logistik, F&B, Services)
- Verteilte „Nodes“ wie Apartments, Gasthäuser oder umgenutzte Bestandsgebäude
- Activity Points für Natur- und Kulturangebote in der Region
Als Geschäftsmodell wird unter anderem ein Community-as-a-Service-Ansatz beschrieben – etwa über gestaffelte Mitgliedschaften für Gäste, Einheimische und Betriebe, ergänzt um Provisionen und Flächenvermietung.
2) Self-Driving Hotel: Autonome Hotelzimmer auf Rädern
Für Business- und Transit-Reisen zeichnet Fraunhofer ein Szenario, in dem das Hotel zur Docking Station für selbstfahrende Hotelzimmer wird: Gäste werden am Abend abgeholt, schlafen im autonomen „Pod“ und erreichen morgens erholt ihren Termin – inklusive Services an sogenannten Hub-Stationen (Duschen, Frühstück, Fitness, Co-Working).
Die Studie begründet das Szenario mit Fortschritten bei autonomem Fahren, Nachhaltigkeitszielen, veränderten Geschäftsreise-Mustern sowie neuen neuro- und KI-gestützten Erholungsangeboten („Power Napping“ auf neuem Niveau).
Im Fokus:
- Zeit wird zur entscheidenden Ressource (Produktivität und Regeneration unterwegs)
- Neue Asset-Klasse aus Hospitality, Mobilität und Infrastruktur
- Ehemalige Tankstellen könnten zu Hubs werden
3) Placemaker Hotel: Hotel als modernes „Rathaus“ der Stadt
In Städten wird das Hotel in der Projektion zum Town Hall und sozialen Begegnungsraum: eine offene, community-orientierte Plattform, die Übernachtung, Kultur, Co-Working, Events und lokale Kooperationen verbindet. Ziel ist es, auf Einsamkeit, anonymes Stadtleben und Leerstand in Innenstädten zu reagieren – und zugleich eine neue Form von Zugehörigkeit zu schaffen.
Mitarbeiter sollen dabei nicht nur klassisch „Service“ leisten, sondern als Community Curators und „Placemaking“-Treiber agieren – mit hybriden Rollen, die persönliche Talente (z. B. Storytelling, Kunst, Wellness) in das Hotelerlebnis integrieren.
So wurde die Fraunhofer-Studie erarbeitet
Entstanden ist das Whitepaper im Rahmen des FutureHotel Innovation Network am Fraunhofer IAO. Der Forschungsprozess lief mehrstufig ab – von der Trendanalyse über Co-Creation-Workshops bis zur Begutachtung durch Experten und Netzwerkpartner.
Genutzte Foresight-Elemente:
- Trendlandschaft (u. a. Klima, KI, Automation, Inflation, Fachkräftemangel)
- Workshops (u. a. ITB Berlin)
- Peer-Reviews im Winter 2024/2025
- Finalisierung und Veröffentlichung im ersten Quartal 2025
Was Hoteliers und Gastronomen daraus mitnehmen können
Auch wenn es sich um Projektionen handelt (nicht um Vorhersagen), liefern die Szenarien klare Impulse: Hotels könnten künftig stärker als Ökosystem-Betreiber auftreten – und damit für Regionen und Städte wirtschaftlich sowie gesellschaftlich relevanter werden. In allen drei Modellen spielen Nachhaltigkeit, digitale Vernetzung, neue Service-Logiken und Kooperationen eine zentrale Rolle.
Für Entscheider in Hotellerie, Tourismus, Immobilienwirtschaft und Politik versteht Fraunhofer die Studie ausdrücklich als „Food for Thought“ – und als Einladung, jetzt die Weichen zu stellen, welche Rolle Hotels 2035 spielen sollen.
(Fraunhofer-Institut/SAHO)