Grundsatzbeschluss: Stadt soll sich um Villa Baltic kümmern
Die Zukunft der Villa Baltic in Kühlungsborn nimmt eine neue Richtung: Die Stadtvertretung des Ostseebads hat für die Sanierung des seit langem leerstehenden historischen Gebäudes durch die Stadt sowie für eine überwiegend öffentliche Nutzung gestimmt. Nach Angaben von Bürgermeisterin Olivia Arndt nahm das Gremium die Vorlage eines entsprechenden Grundsatzbeschlusses mit breiter Mehrheit an. Zuvor hatte der NDR berichtet.
Damit rückt ein Konzept in den Vordergrund, das sich deutlich von den zuvor verfolgten Plänen unterscheidet. Nach langem Hin und Her um das historische Gebäude an der Ostsee-Promenade hatte die Stadtverwaltung Anfang des Jahres vorgeschlagen, dass die Stadt die Villa kauft. Der zuvor verfolgte Plan, nach dem ein Investor die Villa saniert und mit einem Hotelneubau an der Strandpromenade direkt daneben refinanziert, sei gescheitert, hieß es damals.
Auch von Neubauten ist die Rede
Nach damaligen Angaben der Stadtverwaltung sollen auch Neubauten entstehen und das Quartier öffentlich und für die Verwaltung genutzt werden. In dem aktuellen Grundsatzbeschluss ist beispielhaft von einer Nutzung durch das Standesamt die Rede, von Verwaltungsflächen und zum Beispiel einem Sitzungsaal, von Veranstaltungsflächen für Kunst, Kultur und Museen und öffentlichen Bereichen mit Gastronomie für Gäste und Einwohner.
„Die angestrebte Modernisierung und Instandsetzung der Villa Baltic soll vorzugsweise durch den Bau einer benachbarten Veranstaltungshalle flankiert und unterstützt werden“, heißt es zudem. In einer Mitteilung der Stadt ist von einem „neuen Mittelpunkt für Kühlungsborn West“ die Rede. Mit der Aufnahme des Quartiers in die Städtebauförderung stünden umfangreiche Fördermittel bereit.
Hotelpläne waren lange Teil der Diskussion
Für die Hotellerie war die Villa Baltic zuletzt vor allem wegen des geplanten Hotelneubaus auf dem Nachbargrundstück relevant. Die Oldenburger Projektentwickler Jan und Berend Aschenbeck hatten die Villa 2019 gekauft. Sie hatten umfangreiche Planungen zur Sanierung der Villa sowie für einen damit verbundenen Hotelneubau auf einem Nachbargrundstück verfolgt.
Zwischenzeitlich standen die Hotelpläne mehrfach auf der Kippe. Trotz Aussicht auf Fördermittel in Millionenhöhe scheiterte das Projekt letztlich nach Jahren, wofür die Eigentümer die Stadt verantwortlich machten. Ende März teilten die Eigentümer mit, grundsätzlich zum Verkauf der Villa bereit zu sein, nannten dafür aber Bedingungen. Dazu zählte unter anderem ein gemeinsames Verkehrswertgutachten eines Gutachters.
Bewegte Geschichte
Die 1912 errichtete Villa hat eine bewegte Geschichte. Die früheren Eigentümer vermachten Villa und Park im heutigen Kühlungsborn West und damaligen Arendsee 1929 der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin“.
Unter den Nazis kam es zum Zwangsverkauf für einen Spottpreis, die Villa wurde später als Lazarett umfunktioniert und nach dem Krieg von der Roten Armee geplündert. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude ein Erholungsheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB). Seit der Wende steht es leer.
Mit dem Grundsatzbeschluss ist laut Stadt noch keine abschließende Entscheidung über den Vertragsabschluss zum Kauf verbunden. Die konkreten Regelungen würden nach Abschluss der Vertragsverhandlungen der Stadtvertretung in nichtöffentlicher Sitzung zur Entscheidung vorgelegt.
(dpa/SAKL)