Hotel Kronelamm: Drei Geschwister, ein Hotel
Drei Geschwister, drei unterschiedliche berufliche Wege und ein gemeinsamer Fokus: das Vier-Sterne-Superior-Hotel Kronelamm in Bad-Teinach Zavelstein im Schwarzwald. Hoteldirektorin Elisabeth Röber-Berlin steuert Marketing, Vertrieb, Personal und Finanzen, Roland Berlin verantwortet als Restaurantleiter und Sommelier die Gastronomie und die Weinauswahl und Küchenchef Franz Berlin steht für die kulinarische Handschrift des Hauses.
Im Interview sprechen sie über Familie und Unternehmertum, neue Wege in der Hotellerie und darüber, warum Vertrauen manchmal wichtiger ist als ein formeller Entscheidungsprozess.
Wie ist es dazu gekommen, dass heute drei Geschwister gemeinsam das Kronelamm prägen?
Elisabeth Röber-Berlin: Geplant war das nie als Dreiergespann. Jeder von uns ist zuerst seinen eigenen Weg gegangen, und jeder ist aus eigener Überzeugung zurückgekommen. Dass wir am Ende alle drei hier stehen, ist für mich das schönste Zeichen dafür, was unsere Eltern Gudrun und Rolf mit diesem Haus geschaffen haben.
Roland Berlin: Ich war der Erste, dann kam Franz, dann Elisabeth. Jeder von uns hatte von Anfang an seinen eigenen Bereich und die Zeit, in Ruhe hineinzuwachsen. Das hat uns die Freiheit gegeben, unsere Aufgaben wirklich zu unseren eigenen zu machen, und das Vertrauen, uns aufeinander verlassen zu können.
Was bedeutet Familie im täglichen Hotelbetrieb?
Franz Berlin: Bei uns gibt es keinen Chef, der irgendwo im Büro sitzt. Wer bei uns zu Gast ist, begegnet uns: in der Küche, am Tisch, an der Rezeption. Das spüren unsere Gäste, und das spürt auch unser Team.
Elisabeth: Familie heißt für uns auch: Unsere Mitarbeiter gehören dazu. Viele haben bei uns gelernt, manche sind seit Jahrzehnten im Haus. Diese Verbundenheit ist ein großer Teil dessen, was Gäste als herzlich empfinden.
Welche gemeinsame Vision verfolgen Sie für das Kronelamm?
Elisabeth: Wir wollen das Kronelamm als Ort für Erwachsene weiterentwickeln, die Ruhe, Natur und Genuss auf hohem Niveau suchen, ohne dass es je unpersönlich wird. Mit dem neuen Westflügel und seinen 29 Zimmern wachsen wir gerade spürbar. Der Maßstab bleibt trotzdem derselbe: Jeder Gast soll spüren, dass hier eine Familie hinter allem steht.
Franz: Kulinarik ist seit jeher das wichtigste Standbein des Kronelamm. Unsere Eltern haben mit einer reinen Gastwirtschaft begonnen, das sind unsere Wurzeln. Ich liebe diese Vielfalt: vom schwäbischen Wanderheim über die abwechslungsreiche regionale Küche in unserem Hotelrestaurant bis zum Gourmetrestaurant. Unser neues Gourmetrestaurant bekommt zusätzlich eine sensationelle Lage und ein ganz besonderes Ambiente.
Roland: Und wir wollen junge Menschen für diesen Beruf begeistern. Wenn unsere Azubis später selbst Gastgeber werden, dann hat sich unsere Arbeit doppelt gelohnt.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit unter Geschwistern im Alltag?
Roland: Jeder hat seinen klaren Verantwortungsbereich, und darin vertrauen wir einander. Das macht vieles leichter: Ich muss Franz nicht erklären, wie er kochen soll, und er mir nicht, wie ich einen Abend im Restaurant führe.
Elisabeth: Während der Arbeit sehen wir uns kaum, jeder ist in seinem Bereich unterwegs. Einmal pro Woche gibt es ein festes Familienmeeting, alles Weitere besprechen wir spontan.
Gibt es Anekdoten, die die Zusammenarbeit beschreiben?
Elisabeth über den ersten Lockdown: An dem Abend, als verkündet wurde, dass am nächsten Tag alles schließt, standen wir plötzlich alle im Tagungsraum. Niemand hatte dazu aufgerufen, jeder ist einfach gekommen. Dann haben wir sofort besprochen, wie wir vorgehen und was als Nächstes zu tun ist. In diesem Moment habe ich gespürt, wie sehr wir uns als Familie aufeinander verlassen können.
Roland über Heiligabend ohne Gäste: In der Coronazeit haben wir zum ersten Mal Heiligabend nur im Kreis der Familie gefeiert. Das war schön, aber wir haben einstimmig festgestellt: Eigentlich mögen wir das gar nicht. Wir sind Gastgeber, und Heiligabend ohne Gäste wollen wir nie wieder feiern.
Franz über das Klavier am ersten Weihnachtsfeiertag: Wir hatten für den ersten Weihnachtsfeiertag eine Pianistin engagiert, die ihr eigenes Klavier mitbringen sollte. Sie kam ohne, weil sie dachte, wir hätten eines. Innerhalb einer Stunde haben wir am 25. Dezember ein Klavier samt Verstärker organisiert. Es wurde ein unvergesslicher Abend.
Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen?
Elisabeth: Alles, was das Haus als Ganzes betrifft, entscheiden wir zu dritt. Beim Westflügel zum Beispiel hat jeder seine Perspektive eingebracht: Wie viele Gäste schafft die Küche, was braucht der Service, was wollen unsere Gäste wirklich? Erst als alle drei überzeugt waren, haben wir losgelegt.
Roland: Auch wenn es mal heiß hergeht: Unter Geschwistern muss keiner Sorge haben, dass der andere am nächsten Tag nicht mehr kommt oder kündigt. Also raufen wir uns wieder zusammen, und weiter geht’s.
Was schätzen Sie besonders aneinander?
Elisabeth über Franz: Franz hat einen fantastischen Geschmack und kann sich Gerichte komplett im Kopf ausdenken. Außerdem ist er sehr gesellig und sorgt für gute Stimmung, in seinem Team genauso wie in der Familie. Unter Druck läuft er zur Hochform auf und kann spontan fast alles umsetzen.
Franz über Roland: „Roland liest Gäste wie kein Zweiter. Er weiß oft schon beim Hereinkommen, was jemand an diesem Abend braucht. Dazu hat er eine unglaubliche Ausdauer und einen kompromisslosen Anspruch an Qualität.“
Roland über Elisabeth: Elisabeth denkt das Haus voraus. Sie hat die Zahlen, die Strukturen und die Zukunft im Blick und traut sich, Neues als Erste auszuprobieren, zuletzt etwa beim Thema Künstliche Intelligenz.
Tradition bewahren und zugleich Neues wagen – wie gelingt dieser Spagat?
Franz: Die Nähe zur Region ist für uns wesentlich. Viele unserer Lieferanten kennen wir seit Jahren persönlich, und diese Partnerschaften sind für unsere Küche unersetzlich. Wir besinnen uns bewusst auf unsere Wurzeln und setzen klar auf Altbewährtes: gut gekochte Speisen, tolle Suppen, feine Gerichte.
Elisabeth: Neue Wege wollen wir vor allem digital und in der Art gehen, wie wir mit unseren Gästen in Kontakt sind. Wir setzen Künstliche Intelligenz dort ein, wo sie unserem Team Routinearbeit abnimmt, damit mehr Zeit für das bleibt, was keine Maschine kann: echte Begegnung.
Was ist das Schönste daran, gemeinsam als Geschwister ein Hotel zu führen?
Elisabeth: Das Vertrauen. Ich weiß jeden Tag, dass zwei Menschen mit mir an einem Strang ziehen, denen das Haus genauso am Herzen liegt wie mir.
Roland: Und dass wir Erfolge gemeinsam feiern können. Als der Michelin-Stern kam, war das nicht Franz’ Stern allein, sondern ein Moment für die ganze Familie.
Franz: Man muss sich nichts vormachen. Wenn es mal hektisch wird, reicht ein Blick, und jeder weiß, was zu tun ist.
(Hotel Kronelamm/KAGI)