Kontroverse

Hotel neben Hitlers „Berghof“ steht zum Verkauf

Der überraschend angekündigte Verkauf des Hotels „Zum Türken“ am Obersalzberg schlägt heftige Wellen: Es liegt fantastisch inmitten einer Bergidylle, aber auch auf historisch belastetem Boden. 

Freitag, 14.02.2020, 09:03 Uhr, Autor: Thomas Hack
Das Hotel "Zum Türken"

Das Hotel „Zum Türken“ auf dem Obersalzberg steht auf höchst brisantem Boden. Jetzt soll es verkauft werden. (© (c) dpa – Report)

Am Obersalzberg in Berchtesgaden, wo Adolf Hitler ehemals seinen Feriensitz hatte, steht eine spektakuläre Immobilie zum Verkauf: Sotheby’s als Makler für Spitzenimmobilien bietet für 3,65 Millionen Euro das Hotel „Zum Türken“ an. Es liegt neben dem Berghof, Hitlers Alpendomizil. Mit Blick auf Alpengipfel hatte Hitler dort nicht nur Gäste empfangen, sondern an seinem zweiten Regierungssitz neben Berlin auch Entscheidungen über Leben und Tod getroffen. Damals waren im Hotel „Zum Türken“ unter anderem der für Hitlers Personenschutz zuständige Reichssicherheitsdienst untergebracht, zeitweise auch Angehörige von SS und der Gestapo. Die „Passauer Neue Presse“ berichtete zuerst über das Verkaufsangebot.

„Historische Belastung“

Der fachliche Leiter des benachbarten NS-Dokumentationszentrums am Institut für Zeitgeschichte, Sven Keller, sieht allein durch den Ort eine gewisse historische Belastung. „Was für uns wichtig ist: Dass es sich nicht zu einem Anziehungspunkt für Ewiggestrige entwickelt.“ Dies würde der Arbeit des Dokumentationszentrums entgegenlaufen. Dort informieren sich jährlich bis zu 170.000 Besucher über die NS-Gewaltherrschaft und ihre Folgen. „Wir haben die Hoffnung, dass das Gebäude in verantwortungsvolle Hände kommt“, sagt Keller. „Wenn die öffentliche Hand es erwerben könnte, würden wir das begrüßen.“

„Risiko, dass es in falsche Hände gerät“

Ähnlich äußerte sich in der „PNP“ der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller. „Ich sehe das Risiko, dass es in falsche Hände gerät. Deshalb halte ich es für geboten, dass der Freistaat sich das Anwesen sichert“, sagt Freller. „Es darf keine Wallfahrtsstätte auf dem Obersalzberg entstehen.“ Der Freistaat befinde sich in der Angelegenheit in intensivem Kontakt mit der Gemeinde und dem Landkreis, teilte das hierfür zuständige Finanzministerium dieser Tage mit. „Ein Verkauf der historisch belasteten Liegenschaft sollte nur an verantwortliche Hände erfolgen“, heißt es auch hier. Das weitere Vorgehen werde zwischen den betroffenen öffentlichen Stellen geprüft. „Überlegungen für einen Ankauf durch Gemeinde oder Freistaat wurden schon nach dem Bekanntwerden erster Verkaufsabsichten 2013 angestellt. Die Eigentümerin war und ist bislang aber nicht bereit, an die öffentliche Hand zu veräußern.“

Zugang vom Hotel zu Bunkeranlagen

Der Besitzer hatte das Hotel zwangsweise an die Nazis abgeben müssen. Nach dem Krieg bekam die Familie es zurück. Es ist eines von wenigen Häusern am Obersalzberg in Privatbesitz. Den Namen „Zum Türken“ trug es dem Vernehmen nach von Anfang an – seinerzeit hatte man ein Faible für Exotisches. Anziehung für Interessenten rechter Gesinnung könnte nicht nur die Lage neben Hitlers Berghof ausüben. Vom Hotel aus gibt es zudem einen Zugang zu Bunkeranlagen und Haftzellen, zuletzt konnten Besucher dort hinabsteigen. (lby/TH)

 

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