Hotelinvestitionen in Europa bleiben gefragt
Für das laufende Jahr erwarten Marktbeobachter weiterhin starke Kapitalzuflüsse in europäische Hotelimmobilien. Laut einer Umfrage für die fünfte Ausgabe des „European Hotel Investor Compass“ von Cushman & Wakefield planen 86 Prozent der Investoren, ihre im Vorjahr zugewiesene Kapitalquote beizubehalten oder zu erhöhen.
An der Umfrage nahmen zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 insgesamt 74 institutionelle Investoren teil, darunter hochrangige Vertreter großer Private-Equity-Firmen, Fonds, REITs und anderer institutioneller Investoren. Die Unternehmen, die ihre Identität in der Umfrage offenlegten (91 % der Befragten) investierten zwischen 2020 und 2025 insgesamt knapp 18 Milliarden Euro in europäische Hotels.
Fokus auf europäische Metropolen
Der Report zeigt darüber hinaus, dass Investoren wichtige europäische Gateway-Städte wie Mailand, Madrid, Rom, London und Paris ins Visier nehmen. Den stärksten Anstieg des Interesses verzeichnen Budapest (+11 %), Nizza & Cannes (+9 %), Berlin (+9 %), München (+8 %), Paris (+7 %) und Prag (+7 %).
Weiterhin stark ist das Vertrauen der Investoren in den europäischen Hotelmarkt: 58 Prozent der befragten Investoren planen, 2026 mehr Kapital einzusetzen als 2025. Insgesamt beabsichtigen 54 Prozent der Investoren, 2026 Nettokäufer zu sein, während nur 7 Prozent (2025: 5 %) erwarten, Nettoverkäufer zu sein. Die stärkste Absicht, Allokationen in den Hotelsektor zu erhöhen, wurde bei Value-Add-Investoren (63 Prozent) und opportunistischen Investoren (64 Prozent) beobachtet.
„Diese Ergebnisse zeigen, dass auch bei Hotelimmobilien, ähnlich wie bereits bei Büroimmobilien, eine Tendenz erkennbar ist, zunehmend auf Manage-to-Core-Strategien zu setzen, um die Immobilie gezielt neu zu positionieren“, kommentiert Christine Mayer, Head of Hotel Valuation Germany & Austria bei Cushman & Wakefield.
Südeuropa bleibt Top-Ziel
Nach einem RevPAR-Wachstum von 3,9 Prozent im Jahr 2025 bleibt Südeuropa auch 2026 besonders gefragt bei Investoren. Auf Basis einer soliden Performance, einer ausgewogenen Besucherstruktur, starkem Wachstumspotenzial und einer hohen Liquidität bekunden 78 Prozent der Investoren großes oder sehr großes Interesse an Italien und der Iberischen Halbinsel, 60 Prozent an Frankreich. Auch Großbritannien und Irland werden positiv eingeschätzt: im Vergleich zum Vorjahr erklärt ein größerer Anteil der Investoren ein sehr hohes Interesse (+7 Prozentpunkte).
Die DACH-Region (Deutschland, Österreich und die Schweiz) verorten die befragten Investoren auf Platz 5 ihres Anlageinteresses: für insgesamt 37 Prozent der Befragten besteht ein hohes oder sehr hohes Interesse, in den drei Ländern zu investieren – ein Prozentsatz, der das Vorjahresergebnis (2025: 45 Prozent hohes sowie sehr hohes Interesse) mit leichten Abstrichen in etwa bestätigt.
„Die DACH‑Region bleibt trotz der aktuellen Selektivität ein Fundament europäischer Hospitality‑Investments. Deutschland, Österreich und die Schweiz werden weiterhin als verlässliche, langfristig tragfähige Märkte wahrgenommen“, sagt Christine Mayer. „Bemerkenswert ist der erneute Aufmerksamkeitszuwachs für Berlin und München – ein klarer Hinweis darauf, dass Investoren Qualität und starke Mikrostandorte gezielt honorieren.“
Höhere Renditeanforderungen
Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Eigenkapitalrendite gestiegen: Das durchschnittliche ROE-Ziel liegt bei 15,6 Prozent, gegenüber 13,6 Prozent im Jahr 2025. Cushman & Wakefield geht davon aus, dass dieses Ergebnis, ungeachtet der gesunkenen Kreditzinsen, die erhöhte Unsicherheit bei der Kreditvergabe widerspiegelt.
„Europäische Hotelinvestoren gehen mit neuem Selbstvertrauen und klaren Prioritäten in das Jahr 2026: mehr Kapital einsetzen, aber mit größerer Selektivität“, fasst Jon Hubbard, Head of Hospitality EMEA bei Cushman & Wakefield, die Ergebnisse zusammen.
Weitere Trends im Cushman & Wakefield European Hotel Investor Compass 2026
- Für 68 Prozent der Befragten bleiben steigende Baukosten nach wie vor die größte Herausforderung. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Investoren zudem zunehmend besorgt über die Unsicherheit hinsichtlich der Hotelperformance (Anstieg um 6 % gegenüber 2025). Umgekehrt sind Finanzierungsprobleme für Investoren weniger besorgniserregend – ein Rückgang um 19 Prozent gegenüber 2025.
- Geopolitische und makroökonomische Risiken wurden von den Investoren als zweitwichtigste Herausforderung eingestuft. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten dürfte diese Risiken auf der Investitionsagenda weiter verstärken.
- Hotels mit den besten ESG-Referenzen erzielten weiterhin einen „Grün-Aufschlag“: Investoren sind bereit, durchschnittlich 4,3 Prozent mehr für Immobilien zu zahlen, die das höchste ESG-Zertifizierungsniveau erreichen (beispielsweise „BREEAM Outstanding“ oder „LEED Platinum“).
- Insgesamt 81 Prozent der Investoren glauben, dass Künstliche Intelligenz den Sektor bereits in den kommenden Jahren bis 2030 maßgeblich prägen wird, wobei 86 Prozent positive Auswirkungen auf Limited-Service-Hotels erwarten, dicht gefolgt von Full-Service-Hotels (85 %).
- 80 Prozent der Investoren gehen davon aus, dass KI durch Effizienzsteigerungen die Betriebskosten senken wird. 65 Prozent sind optimistisch, was die Auswirkungen von KI auf ihre Vertriebskosten durch mehr Direktbuchungen und eine geringere Abhängigkeit von Online-Reisebüros angeht. Dazu Jon Hubbard: „Auffällig ist, wie schnell sich KI von einem längerfristigen Thema zu einem investierbaren Werttreiber entwickelt. Es besteht die Erwartung, dass KI durch Effizienzsteigerungen zur Senkung der Betriebskosten beitragen wird, und viele sehen auch Möglichkeiten, die Vertriebskosten durch eine beschleunigte Umstellung auf Direktbuchungen zu senken.“
- Das obere gehobene und das gehobene Segment sind in diesem Jahr mit 81 Prozent hohem oder sehr hohem Interesse die attraktivsten Hotelsegmente, gefolgt vom Luxussegment (69 %). Unter Investoren mit einem verfügbaren Kapital von 200 Mio. Euro äußerten 82 Prozent ein hohes oder sehr hohes Interesse an Luxushotels.
(Cushman & Wakefield/SAKL)