Studie

Wie KI das europäische Gastgewerbe verändert

Roboterfinger berührt menschlichen Finger
Die Akzeptanz von KI unter Hoteliers ist laut einer neuen Studie bisher niedrig. (Foto: © Alexander Limbach/ stock.adobe.com)
In der heutigen Hotelbranche ist die Diskussion rund um künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Doch wie ist der tatsächliche Stand der KI-Einführung in der Branche und welche Haupthindernisse behindern ihren Fortschritt?
Dienstag, 15.07.2025, 14:49 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Unter Hoteliers führen Diskussionen heutzutage oft zu künstlicher Intelligenz (KI). Angekündigt als transformative Kraft, ist KI bereit, alles neu zu definieren, von Gästeservices und dynamischer Preisgestaltung bis hin zu prädiktiven Analysen und Inhaltserstellung. Zwischen diesem Potenzial und der aktuellen Umsetzung klafft jedoch eine erhebliche Lücke. Dies wirft kritische Fragen auf: Wie ist der tatsächliche Stand der KI-Einführung in der Branche, und welche Haupthindernisse behindern ihren Fortschritt?

Um das herauszufinden, hat das Institut für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz in Zusammenarbeit mit der EHL Hospitality Business School und mehreren Hotelverbänden aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich und der Schweiz über 1.500 Hotels in sechs europäischen Ländern befragt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Einführung von KI schreitet voran, aber es gibt noch Lücken zwischen Absicht und Umsetzung.

Starke Intentionen, uneinheitliche Umsetzung

Es besteht kein Zweifel, dass Hoteliers an KI interessiert sind. Auf die Frage, wo KI am nützlichsten sein könnte, nannten 68 Prozent der Befragten die Reservierung, gefolgt von Marketing (62 Prozent), Kundenbeziehungsmanagement (51 Prozent) und Datenanalyse (49 Prozent). Die Branche sieht KI demnach als einen Hebel für Leistung, Personalisierung und operative Kontrolle.

Die tatsächliche Nutzung hinkt jedoch hinterher. Die Akzeptanz bleibt bisher niedrig, nimmt aber zu. 41 Prozent der befragten Hotels nutzen KI, während 43 Prozent der Hotels angeben, KI überhaupt nicht zu nutzen. 16 Prozent planen, sie in naher Zukunft einzusetzen.

Die aktive Nutzung konzentriert sich auf Neueinsteiger: 29 Prozent haben KI innerhalb der letzten zwei Jahre eingeführt, während nur 4 Prozent über mehr als drei Jahre Erfahrung verfügen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Markt noch in einem frühen Stadium befindet und erst durch Experimente und Pilotanwendungen in Schwung kommt.

Die einzigen wirklich verbreiteten Anwendungen unter den Hotels, die KI einsetzen, sind Tools zur Erstellung von Inhalten wie ChatGPT oder Gemini, die von 74 Prozent der Hotels genutzt werden, und die Analyse von Online-Bewertungen (44 Prozent).

Darüber hinaus sinkt die Akzeptanz schnell: Echtzeit-Umsatzmanagement liegt bei 42 Prozent, Dienstleistungen zur Personalisierung von Gästen bei 38 Prozent und prädiktive Analysen bei 37 Prozent. Fortgeschrittenere oder infrastrukturlastige Technologien wie Chatbots (31 Prozent), Gesichtserkennung (2 Prozent), Robotik (3 Prozent) und Abfallanalyse (8 Prozent) werden nur am Rande genutzt, was bestätigt, dass sich die meisten Hotels immer noch auf einfach zu implementierende, auf den Gast ausgerichtete Tools konzentrieren.

Was hält die Hotels zurück?

KI wird nicht durch mangelnden Enthusiasmus gebremst, sondern durch begrenzte Kenntnisse und Fähigkeiten. Das am häufigsten genannte Hindernis in der Studie war „mangelnde Kenntnis der verfügbaren KI-Lösungen“ (39 Prozent), gefolgt von hohen Einrichtungskosten (35 Prozent), technischer Komplexität (34 Prozent) und mangelnden technischen Fähigkeiten (32 Prozent). Diese Herausforderungen sind besonders akut für kleinere und mittelgroße Hotels, denen oft die internen Ressourcen fehlen, um technische Upgrades zu verwalten.

Mehr zum Thema

Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Integrationshürden sind ebenfalls groß, insbesondere bei größeren Hotels mit komplexen Altsystemen. In der Zwischenzeit sind viele Hotels noch unsicher, was den ROI angeht, was darauf hindeutet, dass das Versprechen der KI für einige Betreiber noch nicht bewiesen ist.

Hohe Erwartungen, messbare Ergebnisse

Die Ansichten derjenigen, die KI bereits nutzen, sind positiver. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerteten die Hotels den Gesamtnutzen von KI mit 6,6, mit einem Mittelwert von 7,0. 23 Prozent bewerteten die Vorteile mit 8 von 10, und weitere 14 Prozent vergaben die höchste Punktzahl, während nur 5 Prozent angaben, überhaupt keine Vorteile gesehen zu haben.

Zu den am häufigsten genannten Vorteilen gehören Zeitersparnis (76 Prozent), verbesserte Kommunikation (54 Prozent) und erhöhte betriebliche Effizienz (51 Prozent). Strategische oder transformative Ergebnisse – wie nachhaltige Entwicklung oder automatisiertes Design der Gästereise – bleiben eine Nische, was bestätigt, dass KI derzeit als Leistungsverbesserung und noch nicht als revolutionäre Kraft gesehen wird.

Vom Hype zur Wirkung im Gastgewerbe

Die Studie sieht dies als einen Übergang von der „Neugierphase“ zur „operativen Verankerungsphase“ von KI im Gastgewerbe. Hotels experimentieren, skalieren aber noch nicht. Um weiter voranzukommen, sollten Anbieter und Technologielieferanten KI demnach in konkrete Arbeitsabläufe umsetzen – um die Preisgestaltung in volatilen Märkten zu verbessern, Personalengpässe zu beheben und eine intelligentere Kommunikation zu ermöglichen.

Die Umfrage unterstreicht auch, dass KI im Gastgewerbe kein Einheitsmodell ist. Kleinere Hotels benötigen Plug-and-Play-Tools und Schulungsunterstützung; größere Hotels benötigen Data-Governance-Rahmenwerke und Änderungsmanagement. Mittelgroße Häuser, die dazwischen liegen, müssen laut der Studie interne Trägheit und fragmentierte Technologie-Stacks überwinden.

Wie geht es jetzt weiter?

KI ist laut der Studie für das Gastgewerbe nicht länger ein fernes Versprechen, sondern wird zu einem zentralen Bestandteil der strategischen Transformation werden. In einem Markt, der von steigenden Kundenerwartungen, Personalknappheit und zunehmender digitaler Komplexität geprägt ist, können es sich Hoteliers demnach nicht länger leisten, KI als Randexperiment zu behandeln. Wahrer Wert entstehe nicht durch isolierte Tools, sondern durch die Integration von KI in eine umfassendere digitale Strategie, die mit den Geschäftszielen, den Ambitionen in Bezug auf das Gästeerlebnis und den betrieblichen Realitäten im Einklang steht.

Der Weg in die Zukunft erfordere mehr als nur die Einführung neuer Software. Er erfordere das Engagement der Führungskräfte, die Einbindung der Mitarbeiter und ein Umdenken – hin zu Innovation, Agilität und kontinuierlichem Lernen. Bei der Navigation durch diese komplexe Landschaft sollte KI nicht als Bedrohung für das traditionelle Gastgewerbe betrachtet werden, sondern als Ermöglicher. Wenn KI durchdacht eingesetzt wird, sollen sich die Teams auf das konzentrieren können, was sie am besten können: personalisierte, hochwertige Erlebnisse bieten.

Die Zukunft werde demnach denjenigen gehören, die menschliche Wärme mit intelligenten Systemen verbinden können – und ihre Organisationen durch die nächste Welle der digitalen Transformation führen.

(HES-SO/SAHO)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Hochschulweiterbildung "KI-Management"
Qualifizierung
Qualifizierung

IST-Hochschule bietet Zertifikat für KI-Management

Die IST-Hochschule für Management erweitert ihr Weiterbildungsangebot um das Hochschulzertifikat „KI-Management“. Ab Oktober 2026 können Fach- und Führungskräfte berufsbegleitend Kompetenzen rund um künstliche Intelligenz, IT und digitale Projekte aufbauen.
Außenansicht Motel One München-Campus
KI-Anwendung
KI-Anwendung

Motel One startet Hotelsuche in ChatGPT

Die Motel One Group erweitert ihre digitale Hotelsuche um eine KI-gestützte Anwendung innerhalb von ChatGPT. Nutzer können dort per Dialog Hotels suchen, Angebote vergleichen und ihre Reise planen.
Zwei Hotelmitarbeiter schauen auf einen Computer an der Rezeption
Transparenz- und Kompetenzpflichten
Transparenz- und Kompetenzpflichten

IHA aktualisiert Leitfaden zum EU AI Act

Seit dem 2. August 2026 gelten neue Transparenzvorgaben beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Ein aktualisierter Leitfaden des Hotelverbands Deutschland (IHA) erläutert, welche Anforderungen sich daraus für Hotels ergeben.
Eine Roboterhand und eine menschliche Hand bedienen eine digitale Recruiting-Oberfläche mit Symbolen für Bewerberauswahl, Lebensläufe und Einstellungen.
Personalauswahl
Personalauswahl

KI im Recruiting: Warum perfekte Bewerbungen nicht reichen

Glatt formulierte Unterlagen zeigen immer seltener, wer im Hotel- oder Restaurantalltag wirklich überzeugt. Betriebe brauchen deshalb Verfahren, die Praxiskönnen, Motivation und Gastorientierung sichtbar machen.
ChatGPT-Suche
KI-Anwendung
KI-Anwendung

Radisson startet Hotelsuche und -buchung in ChatGPT

Die Radisson Hotel Group erweitert ihren digitalen Vertrieb um einen neuen Zugangskanal. Gemeinsam mit Accenture hat sie eine KI-Anwendung entwickelt, über die Nutzer in ChatGPT Hotels suchen sowie Preise, Verfügbarkeiten und Ausstattung vergleichen können.
Frau am Tablet
Weiterbildung
Weiterbildung

Für mehr KI-Kompetenz: Hamburg Media School startet Female AI Barcamp

Künstliche Intelligenz kommt in Hotellerie und Gastronomie zunehmend zum Einsatz. Gleichzeitig sind Frauen in KI-bezogenen Berufen und Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Ein neues Weiterbildungsformat soll daher weibliche Fach- und Führungskräfte im Umgang mit der Technologie stärken. 
Küchenteam der Platzl Hotels
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Platzl Hotels setzen auf KI gegen Lebensmittelabfälle

Die Münchner Hotelgruppe nutzt in ihren Küchen künftig ein digitales System zur Analyse von Speiseresten. Ziel ist es, Abfälle messbar zu reduzieren und Prozesse gezielt zu optimieren.
Porträt von Florian Panholzer, Stellvertretender Direktor des Hotel Zugspitze
Digitalisierung
Digitalisierung

Hotel Zugspitze integriert KI in den Betrieb

Das Haus in Garmisch-Partenkirchen nutzt Künstliche Intelligenz, um interne Abläufe zu beschleunigen und Mitarbeiter zu entlasten. Dadurch soll mehr Zeit für persönlichen Service und Gastfreundschaft entstehen.
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge, DZG-Aufsichtsratsmitglied Alexandra Wolframm, Tourismuskoordinator Dr. Christoph Ploß MdB, und DZG-Aufsichtsratschefin Homeira Amiri
Austausch
Austausch

DZG wirbt in Berlin für Anliegen der Gastwelt

Arbeitszeitflexibilisierung, KI-Offensive und neue Tourismusstrategie: Vertreter der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) waren zu Gast im Bundeswirtschaftsministerium und Deutschen Bundestag. Dort sprachen sie mit Spitzenpolitikern über wichtige Anliegen der Branche.