20 Jahre Küchenchef – so geht Mitarbeiterbindung
Am 16. Oktober 2026 feierte Vito Fusco sein 20-jähriges Betriebsjubiläum im Hotel Sinsheim am Technik Museum. Seit zwei Jahrzehnten verantwortet der 57-Jährige die Küche des Hauses. Dass einige seiner Kollegen ihn schon lange begleiten, ist für ihn ein wesentlicher Teil dieser Erfolgsgeschichte.
„Die Leute haben Familie. Die wollen auch leben“, sagt Fusco. Für ihn gehört es zur Führungsverantwortung, die Bedürfnisse der Mitarbeiter bei der Dienstplanung zu berücksichtigen.
Verlässliche Dienstpläne statt geteilter Dienste
Im Küchenteam arbeiten zwölf Mitarbeiter und drei Auszubildende. Fusco versucht, die Arbeitszeiten so zu organisieren, dass geteilte Dienste die Ausnahme bleiben. Auch freie Wochenendtage sind ihm wichtig – insbesondere für den Nachwuchs.
Dass dies in der Gastronomie nicht immer einfach umzusetzen ist, weiß der Küchenchef. Schließlich finden Veranstaltungen und Restaurantbesuche häufig dann statt, wenn andere frei haben. Umso wichtiger sei es, die Abläufe vorausschauend zu planen und die Belastung im Team im Blick zu behalten.
Sein eigener Führungsstil hat sich über die Jahre verändert. „Früher dachte ich, ich müsste alles selbst machen. Heute delegiere ich mehr“, sagt Fusco. Er vertraue auf das Können seiner Kollegen und organisiere seine Arbeit bewusster. Dass nicht jede Aufgabe an ihm selbst hängen bleibt, entlastet ihn und stärkt zugleich die Eigenverantwortung im Team.
Vom Restaurant am Mittelmeer ins Kraichgau
Fuscos Begeisterung für die Gastronomie begann in seiner apulischen Heimat. Schon als Kind half er während der Sommermonate im Restaurant seiner Verwandten am Meer. Mit 14 Jahren arbeitete er dort erstmals mit, später absolvierte er seine Kochausbildung.
Nach beruflichen Stationen in Italien und Deutschland führte ihn sein Weg nach Sinsheim. Seit Oktober 2006 leitet er die Küche des Hotels am Technik Museum. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte es, das gastronomische Angebot auszubauen. Eine Mittagskarte sollte zusätzliche Gäste aus der Umgebung ansprechen. Später kamen eine Außenküche für den Sommer und kulinarische Veranstaltungen hinzu.
Heute betreut das Küchenteam unter anderem Clubtreffen und Rallyes wie die ADAC Heidelberg Historic. Auch Gäste, die Fusco bereits aus früheren Restaurants kannten, sind ihm zum Teil bis heute treu geblieben.
Nachwuchs braucht ein realistisches Berufsbild
Die Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung zählt Fusco zu den großen Herausforderungen der Branche. Gerade jungen Menschen möchte er deshalb früh vermitteln, was der Beruf tatsächlich bedeutet: In Hotels und Restaurants wird häufig gearbeitet, wenn andere Weihnachten feiern oder am Wochenende ausgehen.
Gleichzeitig möchte er die Begeisterung für das Kochhandwerk weitergeben. Für ihn selbst ist sie nach 20 Jahren im selben Betrieb ungebrochen. Auch privat beschäftigt er sich mit Lebensmitteln, besucht Wein- und Lebensmittelmessen und lässt sich von seiner Heimat inspirieren. Fisch, Meeresfrüchte und frische Kräuter prägen seine Küche.
Ob er sich noch einmal für den Beruf entscheiden würde? Fusco muss nicht lange überlegen: „Ja. Ich liebe Lebensmittel.“
Sein Betriebsjubiläum steht damit nicht nur für persönliche Beständigkeit, sondern auch für eine Erkenntnis, die für gastronomische Arbeitgeber zunehmend wichtig ist: Langfristiger Zusammenhalt entsteht nicht allein durch Leidenschaft für den Beruf. Er braucht auch Vertrauen, gute Organisation und Arbeitsbedingungen, die das Leben außerhalb der Küche berücksichtigen.
(Hotel Sinsheim/KAGI)