Übernachtungszahlen

Berlin verpasst 30-Millionen-Marke bei Übernachtungen

Touristin in Berlin
Berlin hat 2025 einen leichten Rückgang bei Gästezahlen und Übernachtungen verzeichnet und bleibt damit unter der Marke von 30 Millionen Übernachtungen. (Foto: © Bojan/stock.adobe.com)
Berlin verzeichnet 2025 weniger Gäste und Übernachtungen als im Vorjahr. Für das laufende Jahr zeigen sich Visit-Berlin-Chef Kieker und Senatorin Giffey jedoch zuversichtlich – aus folgenden Gründen.
Mittwoch, 18.02.2026, 15:31 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Im vergangenen Jahr haben deutlich weniger Touristen Berlin besucht als noch 2024. Wie die Tourismusagentur Visit Berlin mitteilte, verpasste die Hauptstadt dabei die Marke von 30 Millionen Gäste-Übernachtungen.

2025 wurden demnach 29,4 Millionen Übernachtungen von 12,4 Millionen Gästen gezählt. 2024 waren es 30,6 Millionen Übernachtungen von 12,7 Millionen Gästen

Der Tourismus in der Hauptstadt läuft damit weiterhin den Rekordwerten aus dem Jahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, deutlich hinterher. Damals kamen fast 14 Millionen Touristen in die Hauptstadt und sorgten für 34,12 Millionen Übernachtungen in Hotels- und Beherbergungsbetrieben.

Giffey: Müssen Dinge haben, die die Leute anziehen

Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bemühten sich bei der Vorstellung der Zahlen aber, Optimismus für das laufende Jahr zu verbreiten.

Für Giffey zählt dabei vor allem der internationale Vergleich: Berlin gehöre im Tourismus zu den fünf Top-Städten in Europa, müsse sich bei der Zahl der Solo-Reisenden nur Dublin geschlagen geben. „Das werden wir uns natürlich noch mal genauer anschauen, was die in Dublin da besser machen als wir“, sagte die SPD-Politikerin.

Insgesamt betonte Giffey vor allem die Bedeutung von Messen, Kongressen und anderen Veranstaltungen für den Berlin-Tourismus in den nächsten Jahren. „Wir müssen Dinge haben, die die Leute anziehen“, sagte Giffey – und warb erneut für eine Expo in der Hauptstadt. „Wir haben zudem 2037 800 Jahre Berlin. Das sind nur noch neun Jahre. Da müssen wir uns jetzt drum kümmern, was wir da zeigen wollen“, sagte Giffey.

Zuversicht für das aktuelle Jahr würden zudem unter anderem zwei große Messen machen. Unter anderem fänden die Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) und die Bahn- und Verkehrstechnikmesse Innotrans dieses Jahr wieder statt, was stets viele Besucher bedeute. Beide Messen werden nur alle zwei Jahre abgehalten.

Internationaler Vergleich

Im europäischen Vergleich liegt Berlin laut Giffey derzeit hinter London und Paris, aber vor Rom. Das soll nach Vorstellung der Senatorin auch so bleiben. „Ich würde mir wünschen, dass Berlin bei den Solo-Reisenden Dublin noch überholt“, sagte die SPD-Politikerin.

Mit Blick auf die nächsten Jahre hofft Giffey, dass die Marke von 30 Millionen Übernachtungen stets übersprungen wird. Ein genaueres mittel- oder langfristiges Ziel bei den Gäste- und Übernachtungszahlen wollte sie nicht ausgeben. Wichtig sei immer der Vergleich in einigen internationalen Ranglisten: „Wir messen uns mit den wichtigsten Städten in Europa.“

Wo die Berlin-Gäste herkommen

Mehr als 17,3 der 29,4 Millionen Übernachtungen in Berliner Hotels- und Beherbergungsbetrieben gingen vergangenes Jahr auf Besucher aus Deutschland zurück – ein Anteil von 58,9 Prozent. Dahinter folgten Gäste aus den USA (knapp 1,28 Millionen Übernachtungen), Großbritannien (1,27 Millionen Übernachtungen) und den Niederlanden (mehr als 780.000 Übernachtungen). 

Im Vergleich zu 2024 gingen die Zahlen für alle vier Herkunftsländer nach unten, für die Niederlande sogar um mehr als 15 Prozent. Deutliche Steigerungen verzeichneten die Touristiker dagegen bei Übernachtungen von Gästen aus der Türkei (mehr als 260.000, plus 8,5 Prozent), China (fast 233.000, plus 14,4 Prozent) und auch Israel (mehr als 230.000, plus 9,5 Prozent).

Nationaler Vergleich

Im Vergleich mit deutschen Städten liegt Berlin nahezu uneinholbar an der Spitze, vor München und Hamburg. München auf Platz zwei verzeichnete 19,7 Millionen Übernachtungen, also fast 10 Millionen weniger als die Hauptstadt.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Hamburg und München haben ihre Werte aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 schon wieder ein- und sogar überholt. In Hamburg stiegen die Tourismus-Zahlen 2025, in München blieben sie nahezu gleich. Argumente wie die Konsumzurückhaltung der Menschen oder die großen globalen Unsicherheiten reichen also nicht aus, um den Dämpfer in der Berliner Entwicklung im Vergleich mit anderen deutschen Städten zu erklären.

Deutliche Kritik an Bundesregierung und der Lufthansa

Was haben die beiden Städte also in den letzten Jahren besser gemacht als Berlin?

„Wenn sie sehen, dass München gar nicht weiter wächst, frage ich mich eher: ‚Was machen die falsch?‘“, sagte Kieker. In München würden die Menschen „jeden Tag regelrecht in die Stadt geschaufelt“. „Alles, was uns in Berlin fehlt, schaufelt die Lufthansa ja nach München“, so Kieker. Von Berlin aus fliegt die Lufthansa derzeit nur nach Frankfurt und München, also zu ihren beiden Hubs in Deutschland, von wo aus die Langstreckenflüge starten.

Laut Kieker starten derzeit täglich 200 Langstreckenflüge aus Westdeutschland, dagegen nur vier bis fünf aus Ostdeutschland – und die allesamt vom Flughafen Berlin-Brandenburg. „So werden die neuen Länder abgespeist – und zwar durch ein privatrechtliches, börsennotiertes Unternehmen“, sagte er mit Blick auf die Lufthansa.

„Die Bundesregierung hat auch da eine Verantwortung“, sagte Giffey. Mit der Bahn sei eine gute Anbindung Berlins realisiert, „beim Flugverkehr aber immer noch nicht“. Sie wolle beim Thema Anbindung weiterhin „nerven“ und auf Verbesserungen drängen. Es gehe dabei nicht nur um die Metropolregion Berlin-Brandenburg, sondern auch um Ostdeutschland und Region Westpolen.

(dpa/SAKL)

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