Deutsche Reisende wollen weniger Perfektion und mehr Erlebnisse
Der perfekte Urlaub verliert für deutsche Reisende offenbar an Bedeutung. Statt jede Station minutiös zu planen und Erlebnisse für Social Media zu optimieren, wünschen sie sich mehr Freiheit, persönliche Erfahrungen und Zeit zum Abschalten. Das geht aus dem aktuellen „Hilton Trends Report 2027“ hervor, für den Morning Consult im Auftrag von Hilton insgesamt 14.744 Reisende in 14 Märkten befragt hat – darunter mehr als 1.000 Menschen aus Deutschland.
Demnach verspüren 54 Prozent der deutschen Reisenden bei Entscheidungen rund um ihre Reise zumindest etwas Druck. Gleichzeitig setzt sich ein entspannterer Umgang mit der Urlaubsplanung durch: 48 Prozent verzichten lieber auf einen festen Reiseplan und lassen die Dinge auf sich zukommen. Nur 18 Prozent wählen Erlebnisse danach aus, ob sie sich gut für einen Social-Media-Post eignen.
Auch bei den Gewohnheiten machen Reisende Abstriche zugunsten der Erholung. 49 Prozent lassen im Urlaub ihre gewohnte Fitnessroutine zumindest teilweise hinter sich, 41 Prozent nehmen es mit gesunden Gewohnheiten weniger genau.
Entdecken und trotzdem erholt zurückkommen
Für die Hotellerie besonders relevant ist der Wunsch, unterschiedliche Bedürfnisse miteinander zu verbinden. Einerseits wollen deutsche Reisende Neues entdecken: 64 Prozent reisen bevorzugt an Orte, an denen sie noch nicht waren, und 46 Prozent besuchen gerne mehrere Städte während einer Reise. Andererseits steht die Erholung weiterhin an erster Stelle. Für 55 Prozent ist es das wichtigste Kriterium für einen gelungenen Urlaub, erholt und ausgeruht nach Hause zurückzukehren.
Damit rücken auch die Leistungen der Hotels stärker in den Fokus. 42 Prozent sehen eine gute Unterkunft selbst als wichtigen Bestandteil eines gelungenen Urlaubs. 58 Prozent achten auf ein umfangreiches Angebot an Services und Annehmlichkeiten vor Ort. Auch der Wunsch nach naturnaher Erholung ist ausgeprägt: Für 76 Prozent der Befragten sind frische Luft und Zeit im Freien essenziell für die Entspannung.
Wellness wird zum Buchungsargument
Wellnessangebote spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Wasserbasierte Erlebnisse wie Pools oder entsprechende Anwendungen sprechen 51 Prozent der deutschen Reisenden an. 44 Prozent interessieren sich für hitzebasierte Angebote wie Sauna und Dampfbad.
Für knapp ein Drittel kann ein hoteleigener Pool sogar den Ausschlag bei der Buchung geben: 29 Prozent nennen ihn als Grund, sich für ein bestimmtes Hotel zu entscheiden. Rund ein Viertel (24 Prozent) würde gezielt für einen privaten Pool oder Whirlpool im Zimmer buchen.
Für Hoteliers zeigt sich damit ein Trend zu Angeboten, die nicht nur klassische Übernachtungsleistungen abdecken, sondern den Aufenthalt selbst zum Erlebnis machen.
Rezeption statt Algorithmus
Eine weitere Erkenntnis des Reports dürfte für die Hotellerie besonders interessant sein: Trotz wachsender Bedeutung von Künstlicher Intelligenz bleibt das Vertrauen in persönliche Empfehlungen hoch.
49 Prozent der deutschen Reisenden bringen KI-Tools bei Reiseentscheidungen zumindest etwas Vertrauen entgegen. Wenn es jedoch um individuell zugeschnittene Empfehlungen geht, liegt der Reiseberater mit 26 Prozent vor der KI, der nur 17 Prozent eine tragende Rolle bei der Zusammenstellung einer persönlichen Reiseroute zutrauen.
Noch stärker ist die Bedeutung des Hotelpersonals. 65 Prozent der Befragten vertrauen den Mitarbeitern eines Hotels bei Reiseentscheidungen. Bei Geheimtipps (21 Prozent) sowie bei Empfehlungen für Restaurants und Bars (26 Prozent) wird das Hotelpersonal sogar am häufigsten als vertrauenswürdige Quelle genannt.
Familie (83 Prozent) und Freunde (81 Prozent) genießen insgesamt zwar noch größeres Vertrauen. Social-Media-Creators schneiden dagegen deutlich schwächer ab: 68 Prozent der Deutschen geben an, ihnen eher nicht zu vertrauen.
Chancen für die Hotellerie
Die Ergebnisse des Reports deuten damit auf eine Entwicklung hin, bei der Hotels ihre Rolle als reine Unterkunft zunehmend hinter sich lassen. Gefragt sind offenbar flexible Aufenthalte, individuelle Services und Erlebnisse, die zum jeweiligen Gast passen.
Gerade die Mitarbeiter an der Rezeption können dabei zum wichtigen Bindeglied zwischen Hotel und Destination werden. Wer Gästen persönliche Restauranttipps, Ausflugsideen oder lokale Geheimtipps geben kann, bietet einen Mehrwert, den digitale Tools allein offenbar nicht ersetzen.
Der „Hilton Trends Report 2027“ basiert auf einer von Morning Consult im Auftrag von Hilton zwischen dem 18. Mai und 1. Juni 2026 durchgeführten Befragung. Befragt wurden 14.744 Reisende ab 18 Jahren, die in den folgenden zwölf Monaten eine Reise planten. Die Umfrage umfasste 14 Märkte; die durchschnittliche Fehlermarge für einzelne Märkte liegt laut Hilton bei rund drei Prozent.
(Hilton/KAGI)