Erholung

Geschäfte mit dem Glück: Fünf Trends beim Wellnesstourismus

Frau macht Spagat kopfüber
© Alena Ozerova / Fotolia
Wellnessreisen wachsen mehr als doppelt so schnell wie der Tourismusbereich. Wer als Gastgeber mitmischen will, sollte diese Trends kennen. 
Donnerstag, 15.12.2016, 13:22 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Relax-Wochenenden, Yoga-Woche und Co. boomen weiter – der Megatrend Wellness bleibt im Tourismus allgegenwärtig. Laut dem Global Wellness Institut wachsen Wellnessreisen mehr als doppelt so schnell wie der Tourismusbereich insgesamt. Fünf Trends gibt es aktuell:

1. Entspannung allein reicht nicht
Wohlfühlmassage, Kosmetikbehandlung und Relaxen in einer schön gestalteten Badelandschaft ist nicht genug. „Entspannung allein macht niemanden glücklich“, sagt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbands. Der Kunde sucht daher körperliche Bewegung im Urlaub ebenso wie neues Wissen rund um das Wohlbefinden. Heute beschäftigen Wellnessresorts daher neben Trainern und Coaches auch Psychotherapeuten, die Gästen eine glückliche Lebensweise vermitteln.

2. Lieber nah und kurz
„Eine lange Anreise ist für viele Menschen nicht mit Entspannung und Erholung vereinbar“, sagt Stephanie Holweg von der Tui. Der Trend gehe zu Wellness vor der Haustür, am liebsten in Deutschland und tendenziell kürzer. „Unsere Wellnesskunden suchen vermehrt kleine Auszeiten vom Alltag über das Jahr verteilt.“ Zwei bis vier Nächte, aber das gerne mehrmals im Jahr. Auch beim Spezialanbieter Fit Reisen aus Frankfurt sind Wellnesswochenenden beliebt. Geschäftsführerin Claudia Wagner erklärt das mit der „leichten Integration in den Arbeitsalltag“. Entscheiden sich Wellnessurlauber doch für die Ferne, dominieren Kurthemen wie Ayurveda, etwa in Indien oder Sri Lanka. Der durchschnittliche Aufenthalt liegt hier bei Tui bei zehn Tagen.

3. Medical Wellness
Ob Physiotherapie oder traditionelle chinesische Medizin – Laut dem Vorsitzenden des jungen Deutsche Medical Wellness Verbands, Lutz Lungwitz, wird im Wellnessurlaub „die persönliche Gesundheitsvorsorge in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen“. Für Claudia Wagner gehört medizinische Kompetenz „zum guten Ton“ im Bereich der Kur- und Wellnessreisen: „Unsere Gäste sind sehr gesundheitsbewusst.“ Für viele „verschmelzen die Begriffe Urlaub und Gesundheit“.

4. Auch jüngere Kunden mit kleinerem Geldbeutel
Der typische Kunde für Wellnessreisen ist nicht mehr nur der „Best Ager“ mit höherem Einkommen. Während bei Fit Reisen die Über-50-Jährigen nach wie vor die Zielgruppe sind, findet Stephanie Holweg von der Tui, dass Gesundheit, Wellness und Entspannung alle von Anfang 30 bis Mitte 70 anspreche. Immer mehr jüngere Menschen legten Wert darauf, sich und ihrem Körper im Urlaub etwas Gutes zu tun. Auch Menschen mit geringerem Einkommen schätzen inzwischen Wellnessangebote auf Reisen.

Und der Geldbeutel? „Wellnessurlaub ist aufgrund des breiten Angebots keine Nische mehr für wohlhabende Gesellschaftsschichten“, sagt Lutz Hertel. Gerade an der Ostsee seien viele Wellnesshotels im Vier-Sterne-Bereich mit einem Übernachtungspreis von unter 100 Euro zu finden.

5. Gesunde Ernährung: Von Bio über vegan bis Detox
Immer mehr Deutsche achten darauf, was sie essen – die Reisezeit ist davon nicht ausgenommen. Ob für Vegetarier oder Veganer, für Umweltbewusste oder für gesundheitlich eingeschränkte Reisende: Die Branche baut das Thema Ernährung aus. Bei Tui beispielsweise stehen Hotels mit lactose- und glutenfreier Küche, Bioküche, Vollwertkost oder veganer Küche zur Auswahl. Ganze Detox-Kuren sind schon in einigen Katalogen zu finden. Das Thema Ernährung wird wichtiger, bestätigt Claudia Wagner von Fit Reisen: „Hier heißt es definitiv Qualität statt Quantität.“ (dpa/ph)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Ein Paar lässt sich von zwei Masseuren massieren
Wellnessreport 2019
Wellnessreport 2019

Großstädte gelten als Entspannungsoasen

In Deutschland reisen Erholungsurlauber vor allem gerne nach Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg, wie eine jetzt veröffentlichte Studie ergab.
Zwei Fahrradfahrer auf Radweg in Natur
Fahrradtourismus
Fahrradtourismus

Ruhrradler bringen Tourismus Umsatzplus

Die Radfahrer auf dem 240 Kilometer langen Ruhrtalradweg haben dem Tourismus letztes Jahr 29,1 Millionen Euro in die Kassen gespült.
Mann in Anzug jubelt
Verbrauchertrends
Verbrauchertrends

Private Verlängerung von Geschäftsreisen steht hoch im Kurs

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Die meisten Businessreisenden verlängern gerne ihren Aufenthalt. Wellnesshotels in deutschen Metropolen sind dabei besonders beliebt.
Junge Reisende der Gen Z entspannen gemeinsam auf dem Balkon eines Hauses am See in einer naturnahen Berglandschaft.
Reisetrend
Reisetrend

Gen Z treibt Naturreisen in Deutschland an

Immer mehr Deutsche verbringen ihre Auszeiten abseits der Städte. Besonders junge Reisende entdecken ländliche Regionen und Naturziele für sich.
Burg Falkenstein im Harz in Sachsen-Anhalt im Herbst
Statistik
Statistik

Tourismus in Sachsen-Anhalt: Gästezahlen stabil, Umsätze sinken

Rund 3,4 Millionen Menschen reisten 2025 in das Bundesland. Während die Nachfrage nahezu konstant bleibt, steht das Gastgewerbe wirtschaftlich unter Druck.
Von links nach rechts: Andreas Winkelhofer (Geschäftsführer Oberösterreich Tourismus), Barbara Radomski (Geschäftsführerin Bayern Tourismus Marketing GmbH), Christine Schönhuber (Geschäftsführerin Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg), Petra Hedorfer (Vorsitzende des Vorstandes Deutsche Zentrale für Tourismus), Krisztina Henyecz (Head of Business Development, Visit Hungary), Astrid Steharnig-Staudinger (Geschäftsführerin Österreich Werbung), Markus Achleitner (Wirtschaftslandesrat Oberösterreich), Michael Duscher (Geschäftsführer Niederösterreich Werbung), Petra Riffert (Geschäftsführerin Donauregion Oberösterreich), Marie-Louise Schnurpfeil (Geschäftsführerin Linz Tourismus), Bernhard Schröder (Geschäftsführer Donau Niederösterreich Tourismus).
Destinationsmarketing
Destinationsmarketing

Neue Tourismusinitiative „Discover your Danube“ gestartet

Deutschland, Österreich und Ungarn wollen die Donau international stärker vermarkten. Das neue Projekt wurde auf der ITB Berlin 2026 vorgestellt.
Luftaufnahme der Hansestadt Wismar an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer
Entwicklung
Entwicklung

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet zweitbestes Tourismusjahr seit der Wende

Das Bundesland meldet 8,2 Millionen Gäste und 33,3 Millionen Übernachtungen. 2025 war damit das zweitbeste Tourismusjahr seit der Wende.
Wartburg bei Eisenach, Thüringen, Deutschland
Jahresbilanz
Jahresbilanz

Stabiles Tourismusjahr 2025 in Thüringen

Erst das Rekordjahr 2019, dann nur schwer wettzumachende Einbrüche durch die Corona-Pandemie – hinter der Thüringer Tourismusbranche liegen schwierige Jahre. Doch auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht ist, zeigt sich die Branche stabil. 
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, bei einem Pressetermin
Branchenlage
Branchenlage

Wegner: Krieg beeinflusst ITB und Tourismus

Zum 60-jährigen Bestehen der Messe äußert sich Berlins Regierender Bürgermeister zu den Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die Auswirkungen auf den internationalen Reiseverkehr sind bereits deutlich spürbar.