Herbst wird zur Saisonchance
Die klassische Nebensaison zwischen Bergsommer und Skisaison gewinnt an Bedeutung. Das zeigen nicht nur die Übernachtungszahlen in Österreich und Tirol, sondern auch die Entwicklung einzelner Hotelbetriebe. Das Hotel Jungbrunn im Tannheimer Tal etwa hat seine frühere Schließzeit im November inzwischen zum Anlass genommen, die ruhigeren Herbstwochen gezielt als Angebotszeitraum zu positionieren.
Mehr Übernachtungen im Herbst
Nach Angaben der Österreich Werbung entfielen 2025 bereits 28,1 Prozent aller Übernachtungen in Österreich auf die Monate April, Mai, September, Oktober und November. Auch in Tirol entwickelt sich insbesondere der Oktober dynamisch: Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der Übernachtungen in diesem Monat um rund ein Viertel.
Für Gastgeber eröffnet das Potenzial, die bisher häufig schwächeren Übergangsmonate stärker zu nutzen. Dabei verändert sich auch das Nachfrageprofil: Laut einer Studie der Österreich Werbung gehen 65 Prozent der Herbstgäste im Urlaub spazieren, 54 Prozent wandern. Rund ein Drittel verzichtet dagegen vollständig auf sportliche Aktivitäten. Gleichzeitig sind die Aufenthalte im Herbst vergleichsweise kurz.
Für Hotels bedeutet das: Gefragt sind nicht zwangsläufig klassische Wochenurlaube, sondern auch Angebote für einige Tage, die sich flexibel in den Kalender integrieren lassen.
Vom Schließmonat zum Angebotszeitraum
Wie sich die Wahrnehmung der Nebensaison verändert, zeigt das Beispiel Jungbrunn. Das familiengeführte Hotel war früher im November geschlossen. Für Gastgeber Marcel Gutheinz bedeutete das eine Zeit, in der das Haus der Familie gehörte: Gemeinsam wurde vor dem Kamin Pizza gegessen, Freunde kamen zu Besuch, in der Tennishalle fanden Fußballturniere statt.
Heute ist das Hotel ganzjährig geöffnet. Den Herbst nutzt der Betrieb gezielt, um Naturerlebnisse mit Erholung und Wellness zu verbinden. Während die Wälder im Tannheimer Tal noch farbenfroh sind und die Temperaturen zum Wandern und Biken einladen, können Gäste im 7.900 Quadratmeter großen Spa Ruhe und Regeneration finden.
Auch spezielle Anwendungen wie eine Kräuterstempelmassage mit warmen Ölen und Kräutern greifen das saisonale Bedürfnis nach Wärme und Entspannung auf.
Formate für die ruhigen Wochen
Auch der November, der früher zum Schließzeitraum gehörte, wird inzwischen mit speziellen Angeboten bespielt. Vom 9. bis 12. November 2026 veranstaltet das Jungbrunn beispielsweise die „Healingdays“. Das mehrtägige Format kombiniert Yoga, Faszienarbeit, Workouts und Meditation mit Klang sowie einer individuellen Wirbelsäulen-Aufrichtung.
Damit wird aus einer klassischen Lücke im Saisonkalender ein buchbares Format mit eigener thematischer Positionierung.
„Für mich ist der Herbst die schönste Zeit im Tannheimer Tal. Die Luft ist klar, die Farben sind intensiv und es kehrt eine besondere Ruhe ein“, sagt Marcel Gutheinz. Viele Gäste seien überrascht, wie sonnig, mild und farbenreich diese Wochen noch sein könnten.
Für Gastgeber kann die Entwicklung damit neue Spielräume eröffnen: Statt die Monate zwischen den Hauptsaisons lediglich zu überbrücken, lassen sie sich als eigenständige Angebotsphase mit passenden Aufenthaltsformaten, Wellness- und Aktivangeboten sowie saisonaler Kulinarik positionieren.
(Hotel Jungbrunn/KAGI)