Debatte

Idee für den Tourismus: Barrierefreier Rennsteig

Thüringer Landtag
Die BSW-Fraktion im Thüringer Landtag fordert mehr Barrierefreiheit in verschiedenen Tourismusbereichen. (Foto: © picture alliance/dpa | Martin Schutt)
Während einer Debatte über die Zukunft des Tourismus hat sich die Landesregierung gegen Versuche gewehrt, die Branche schlechtzureden – während aus der Regierungskoalition neue Vorschläge kommen.
Freitag, 12.09.2025, 13:25 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die BSW-Fraktion im Landtag will Tourismus in Thüringen für Menschen, die weniger gut zu Fuß sind, attraktiver machen. „Tourismus darf kein Privileg für Junge, Gesunde und Sportliche sein“, sagte der BSW-Abgeordnete Matthias Herzog im Parlament in Erfurt. Die Wander-Angebote im Land müssten deshalb besser ausgebaut werden.

„Weltbekannte Wanderwege wie der Rennsteig müssen endlich auch für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich werden.“

Barrierefreier Tourismus

Auch in anderen Tourismusbereichen müsse es in Zukunft deutlich barrierefreier zugehen als in der Vergangenheit, sagte Herzog. „Sehenswürdigkeiten brauchen Informationsangebote für Gehörlose und Blinde.“

Auch Hotels, Restaurant und Museen müssten barrierefreier sein. Das sei nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Der Abbau von Barrieren im Tourismus sei auch eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. „Wer Barrieren abbaut, erschließt neue Gästegruppen, steigert die Attraktivität Thüringens als Tourismusstandort und sorgt so auch für zusätzliche Wertschöpfung“, sagte Herzog.

Die Thüringer Tourismus-Strategie wurde kontrovers diskutiert – dabei wurden Anträge der AfD und der Brombeer-Koalition beraten. Vertreter der Fraktionen von CDU, BSW, SPD und Linken sowie auch der Landesregierung warfen der AfD vor, die Lage in der Tourismus-Branche in Thüringen schlechter zu reden als sie eigentlich sei.

„Die von Ihnen beklagten ineffizienten Strukturen gibt es so nicht“, sagte Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU). In den vergangenen Jahren sei bereits eine schlagkräftige und professionelle Struktur im Tourismus geschaffen worden, wenngleich es weiterhin große Herausforderungen gebe. „Dass an einzelnen Standorten noch Bedarf an einem zeitgemäßen Beherbergungsangebot besteht, bestreite ich nicht.“

Linke: AfD vergrault Touristen

Der Linke-Angeordnete Andreas Schubert sagte, mit ihren rassistischen Parolen vergraule die AfD sowohl Touristen als auch ausländische Fachkräfte für die Branche, obwohl diese dort so dringend gebraucht würden. Ähnlich äußerte sich auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Bühl. Ohne Mitarbeiter mit Migrationshintergrund im Gastgewerbe „wären deutlich mehr Bratwurstgrills zu“, sagte er.

In dem AfD-Antrag heißt es unter anderem, das Parlament solle feststellen, dass die touristische Wertschöpfung im Land trotz vorhandener Potenziale unterdurchschnittlich sei und nicht den Anforderungen eines wirtschaftlichen Leitsegments genüge. „Die Gästezufriedenheit bewegt sich nach wie vor lediglich auf durchschnittlichem Niveau, wodurch Wiederbesuchs- und Weiterempfehlungsraten stagnieren.“

Koalition setzt auf das „Grüne Herz“

Wie Boos-John verwies auch Bühl darauf, dass zumindest einzelne Thüringer Regionen in Gästebefragungen zuletzt durchaus gut abgeschnitten hatten. Wichtig sei dennoch, den Tourismus auf vielfältige Weise zu stärken, nicht zuletzt durch ein neues Landesmarketing, das die Brombeer-Koalition unter dem Slogan „Grünes Herz“ zusammenfassen will. Es müsse endlich Schluss sein mit austauschbaren Slogans, die von Werbeagenturen kreiert würden und an verschiedene Kunden verkauft werden könnten, sagte Bühl.

Die aktuelle Tourismus-Strategie des Freistaats war nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Jahr 2017 von der damaligen rot-rot-grünen Landesregierung beschlossen worden und auf ein Ende im Jahr 2025 angelegt. Die Tourismus-Strategie für die nächsten Jahre wird derzeit erarbeitet.

(dpa/SAKL)

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