Immer mehr Urlauber reisen allein
Allein zu verreisen wird für immer mehr Menschen zur Selbstverständlichkeit. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Reiseveranstalters Berge & Meer: Während 2024 rund jede fünfte Buchung auf eine alleinreisende Person entfiel, lag der Anteil im bisherigen Jahresverlauf 2026 bereits bei mehr als 25 Prozent.
Für Gastgeber ist die Entwicklung interessant. Denn Alleinreisende sind nicht automatisch Gäste, die auch vor Ort allein bleiben möchten. Gerade bei organisierten Reisen zeigt sich, dass der Wunsch nach individueller Freiheit und das Bedürfnis nach Gemeinschaft durchaus zusammenpassen können.
Allein reisen, aber nicht allein sein
Nicht immer lassen sich Urlaubspläne mit Partnern, Freunden oder der Familie koordinieren. Andere Reisende entscheiden sich bewusst für eine Auszeit allein. Sie möchten unabhängig sein, eigene Interessen verfolgen und ihre Zeit flexibel gestalten.
Gleichzeitig besteht bei vielen Alleinreisenden der Wunsch nach sozialen Kontakten am Urlaubsort. Gemeinsame Ausflüge, Aktivitäten oder zwanglose Begegnungen können deshalb einen wichtigen Teil des Reiseerlebnisses ausmachen.
Für Hotels bedeutet das: Alleinreisende sollten nicht ausschließlich über den Preis eines Einzelzimmers angesprochen werden. Auch Aufenthaltsqualität, Gemeinschaftsangebote und Möglichkeiten zum unkomplizierten Austausch können eine Rolle bei der Wahl der Unterkunft spielen.
Einzelzimmer allein reichen nicht
Der wachsende Anteil alleinreisender Gäste stellt Gastgeber zugleich vor eine bekannte Herausforderung: Ein Einzelzimmer ist aus Sicht des Reisenden nicht zwangsläufig nur eine kleinere Variante des Doppelzimmers.
Gefragt sind Konzepte, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden – vom komfortablen Einzelzimmer über attraktive Aufenthaltsbereiche bis hin zu Aktivitäten, bei denen Gäste unkompliziert Kontakte knüpfen können. Auch gastronomische Angebote können dabei eine Rolle spielen: Eine einladende Bar, gemeinschaftliche Tische oder Formate wie gemeinsame Tastings können Hemmschwellen senken.
Dabei sollte die Zielgruppe nicht auf eine bestimmte Altersgruppe reduziert werden. Laut Berge & Meer unterscheiden sich Alleinreisende demografisch nur wenig von Gästen, die zu zweit buchen. Auffällig ist lediglich, dass sie häufiger aus urbanen Regionen kommen.
Rundreisen zeigen das Potenzial
Wie groß das Interesse an Kombinationen aus Individualität und Gemeinschaft ist, zeigt der Trend zu organisierten Rundreisen. Als Beispiel nennt Berge & Meer Namibia. Große Entfernungen und abgelegene Reiseziele machen eine individuelle Reise dort für Alleinreisende teilweise anspruchsvoller.
Eine organisierte Gruppenreise kann in solchen Fällen Sicherheit und Gemeinschaft bieten, ohne dass Reisende ihre komplette Unabhängigkeit aufgeben müssen. Für Hoteliers entlang entsprechender Reiserouten kann die Zielgruppe damit ebenfalls interessant sein. Berge & Meer verzichtet etwa bei seinen klassisch eingekauften Namibia-Produkten bis Ende 2026 auf den Einzelzimmerzuschlag.
Eine Zielgruppe mit eigenen Erwartungen
Der zunehmende Anteil von Alleinreisenden zeigt vor allem eines: Gastgeber sollten die Zielgruppe nicht als bloße Variante des klassischen Paars oder der Familie betrachten. Wer allein bucht, kann andere Erwartungen an Zimmer, Service, Gastronomie und Aufenthaltsmöglichkeiten haben.
Gastgeber aufgepasst, denn es kann sich daher lohnen, genauer hinzuschauen: Wie leicht können alleinreisende Gäste bei uns Anschluss finden – und wie viel Raum bleibt ihnen gleichzeitig für sich selbst? Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Individualität und Gemeinschaft liegt ein mögliches Potenzial des wachsenden Segments.
(Berge & Meer/KAGI)