Insolvenz

Keine volle Erstattung an Thomas Cook-Kunden

Eine verzweifelte Frau am Flughafen
Rettungsaktion: Von den 140 000 betroffenen Urlaubern sind alle bis auf 17 000 in die Heimat zurückgebracht worden. (© Alina/Fotolia)
Ein Großteil der Pauschalurlauber der insolventen deutschen Thomas Cook ist inzwischen wieder zurückgekehrt. Bitter sind die Folgen auch für Kunden, die ihre Reise wegen der Turbulenzen gar nicht erst antreten konnten.
Mittwoch, 02.10.2019, 08:56 Uhr, Autor: Thomas Hack

Schlechte Nachrichten für Pauschalurlauber der deutschen Thomas Cook, die vom Reisestopp bis 31. Oktober betroffen sind: Sie können nicht mit einer vollen Erstattung des bereits gezahlten Geldes rechnen. Die Versicherung Zurich Deutschland hatte die Reisen bis zu 110 Millionen Euro versichert. „Sie können davon ausgehen, dass dies bei weitem nicht reicht“, sagte Zurich-Sprecher Bernd Engelien dieser Tage. Der insolvente Veranstalter hatte alle Reisen bis 31. Oktober abgesagt, auch wenn sie schon angezahlt oder voll bezahlt waren. Die Ersatzansprüche würden der versicherten Summe gegenübergestellt und quotiert, erläuterte der Zurich-Sprecher. Als Rechenbeispiel: Wenn die Schadenssumme doppelt so hoch ist wie die versicherte Summe, würden die Ansprüche zur Hälfte gedeckt. Bislang sei aber noch nicht klar, wie hoch die Schadenssumme und die Erstattungsquote sei, sagte Engelien.

Rückholaktion nächste Woche abgeschlossen

Betroffen sind Pauschalreisekunden, die beim Insolvenzantrag noch nicht unterwegs waren. Ebenso von der Quotierung betroffen seien Kunden, deren Reise abgebrochen werden musste oder die Doppelzahlungen geleistet haben. Zunächst müssten Hotelrechnungen für Pauschalurlauber, die beim Insolvenzantrag schon unterwegs waren, sowie die Rückflüge bezahlt werden, erläuterte Engelien weiter. Auch die Höhe dieser Summe sei noch nicht klar. Von den 140 000 betroffenen Urlaubern seien alle bis auf 17 000 in die Heimat zurückgebracht worden. Bis Anfang kommender Woche solle die Rückholaktion weitgehend abgeschlossen sein.

DER Touristik lehnt Thomas Cook-Übernahme ab

Ob Kunden, die ab dem 1. November gebucht haben, Geld verlieren, hängt davon ab, ob die Reisen durchgeführt werden – möglicherweise auch von einem anderen Veranstalter. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660.000 Urlauber eine Reise bei dem Unternehmen gebucht. Unterdessen zeigt der Reisekonzern DER Touristik wenig Interesse an einer Übernahme der deutschen Thomas Cook. „Wir haben ein sehr gut aufgestelltes Portfolio an Marken und Produkten“, sagte Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester der Deutschen Presse-Agentur. „Nur Volumen zu gewinnen, macht wenig Sinn.“ Zugleich hat DER Touristik großes Interesse, dass der ebenfalls zum insolventen britischen Reisekonzern Thomas Cook gehörende Ferienflieger Condor weiter in der Luft bleibt. „Eine gesamthafte Übernahme von Condor kann ich mir nicht vorstellen. Eine anteilige Beteiligung würde ich aber nicht grundsätzlich ausschließen“, sagte Burmester. (dpa/TH)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Michael Zeyer
Neustart
Neustart

Sternerestaurant „5“ startet nach Insolvenz neu durch

Nach dem Insolvenzantrag im Sommer 2025 ist dem Stuttgarter Sternerestaurant „5“ der Neustart gelungen. Ein internationaler Investor sichert den Fortbestand und setzt auf Weiterentwicklung.
Hilton Garden Inn Innsbruck
Restrukturierung
Restrukturierung

Revo: Insolvenzverfahren für 175 Hotels gestartet

Rund zweieinhalb Monate ist es her, dass die Revo Hospitality Group Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat. Jetzt wurden die Verfahren für 175 Hotels eröffnet. 
Sitz der Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim-Käfertal
Insolvenz
Insolvenz

Investor soll Brauerei Eichbaum retten

Für Eichbaum gibt es Hoffnung. Ein Investor soll die insolvente Privatbrauerei übernehmen. Doch der Preis ist hoch: Ein Großteil der Arbeitsplätze steht auf dem Spiel.
Gastronomen bei der Abrechnung
Warnsignale früh erkennen
Warnsignale früh erkennen

Gastro-Insolvenzen auf Rekordniveau: Frühzeitiges Gegensteuern ist entscheidend!

Immer mehr Gastronomiebetriebe geraten unter Druck: Steigende Kosten, zurückhaltende Gäste und sinkende Umsätze treiben die Insolvenzzahlen auf ein Rekordniveau. Doch wer die Warnsignale früh erkennt und gezielt gegensteuert, kann die Insolvenz noch abwenden.
Zwickauer Mauritius Brauerei
Sinkende Absatzzahlen
Sinkende Absatzzahlen

Zwickauer Mauritius Brauerei meldet Insolvenz an

Das Traditionsunternehmen wird nun zunächst durch einen Insolvenzverwalter geführt. Die Insolvenz geschieht vor dem Hintergrund sinkender Absatzzahlen für Sachsens Brauereien.
Mövenpick Hotel Frankfurt City
Schließungen
Schließungen

Nach Revo-Insolvenz: Erste Hotels stellen Betrieb ein

Die Insolvenz der Revo Hospitality Group hat erste konkrete Auswirkungen auf einzelne Standorte. Zwei Häuser haben ihren Betrieb eingestellt, wie jetzt bekannt wurde. 
Dirk Iserlohe und Homeira Amiri
Brandbrief
Brandbrief

DZG warnt nach Revo-Insolvenz

Nach der Insolvenz der Revo Hospitality Group fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) ein politisches Umdenken. In einem Brandbrief an die Spitzenpolitik warnt sie vor weiteren Belastungen für Tourismus und Gastronomie und drängt darauf, die wirtschaftliche Stabilisierung der Branche 2026 zur politischen Priorität zu machen.
Hilton Garden Inn Innsbruck
Sanierungsverfahren
Sanierungsverfahren

Revo Hospitality Group stabilisiert Hotels nach Insolvenz

Vor rund zwei Wochen hat die Revo Hospitality Group Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Nun äußert sich der Hotelbetreiber zur aktuellen Lage – und spricht von stabilisierten Betrieben und ersten positiven Signalen.
Außenansicht von Hotel Schloss Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern, einem von Revo betriebenen Hotel im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
Eigenverwaltung
Eigenverwaltung

Revo-Insolvenz betrifft sechs Hotels in MV

Der internationale Hotelbetreiber stellte vorige Woche für über 100 Hotels Insolvenzanträge in Eigenverwaltung. Auch mehrere Häuser im Nordosten sind betroffen.