Studie

Reisebedürfnisse von Jugendlichen

Die von den Bremer Markt- und Trendforschern nextpractice und dem Center for Innovation & Sustainability in Tourism e.V. durchgeführte „Trendstudie Jugend reist 2022“ zeigt, was sich junge Menschen vom Reisen erhoffen und erwarten.

Donnerstag, 05.05.2022, 14:39 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Reisende Jugendliche

Eine repräsentative Studie des Debitkartenanbieters Legatus zeigt, dass sich 62 Prozent der Deutschen nach zwei Jahren Corona-Pandemie, schlechten Nachrichten aus aller Welt und Rekordinflation wieder etwas mehr gönnen möchten. Nach Delikatessen und Restaurantbesuche stehen Reisen ganz oben auf der Luxusliste. (Foto: © dusanpetkovic1/stock.adobe.com)

„Diese Ergebnisse sind spannende Erkenntnisse und wegweisend für die Zukunft des Jugendreisens“, wertet a&o-Gründer Oliver Winter die „Trendstudie Jugend reist 2022“. Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Forschungsarbeit formuliert eindrücklich Werte und Wünsche junger Menschen zwischen 13 und 18 Jahren in Bezug auf das Reisen. Sie zeigt, dass Jugendliche reisefreudig sind und sich Gemeinschaft und Erlebnisse wünschen.

Die von den Bremer Markt- und Trendforschern nextpractice und dem Center for Innovation & Sustainability in Tourism e.V. (C.I.S.T.) entwickelte und Ende des vergangenen Jahres durchgeführte Studie zeigt, was sich junge Menschen vom Reisen erhoffen und erwarten. Spezielle neunzigminütige Einzelinterviews mit rund 100 Teilnehmern, die intuitiv und ohne Vorgaben mit einem von nextpractice entwickelten Interviewverfahren geführt wurden, ergaben in der Analyse u. a. Folgendes:

  • Hoch im Kurs bei den befragten Jugendlichen stehen Erlebnis- und Naturreisen, Camping, Fahrrad- und Interrail-Reisen
  • Jugendliche sind reisefreudig und wollen in Zukunft wieder mehr und global verreisen
  • Gemeinschaftliche Erlebnisse und Freiraum stehen obenan und sind wichtiger als „das Traumziel“
  • Eigene Erfahrungen mit Jugendreisen werden mit den Eigenschaften „freundschaftlich“, „umweltbewusst“ und „aufregend“ assoziiert
  • Sicherheit spielt eine Rolle, gerade auch, um ohne Begleitung reisen zu können.

Projektpartner war außerdem das Reisenetz Deutscher Fachverband für Jugendreisen e.V., zu dem auch die Berliner Unterkunftspezialisten a&o Hostels gehören.  

Reiseverhalten von Jugendlichen: Wünsche und Werte

Ausgangspunkt der Studie ist die Erkenntnis, dass Jugendliche durch die Pandemie gravierende Einschnitte in ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung erfahren haben. Und da gerade das Reisen eine zentrale Rolle für die Erlangung von Selbstständigkeit und das Gefühl von Freiheit spielt, standen Fragen wie „Haben sich die emotionalen Präferenzen bei Jugendlichen in Bezug auf ‚Reisen‘ und ‚Freizeit‘ durch die Pandemie verändert?“, „Welche Wunschvorstellungen und Wertemuster existieren heute und leiten unbewusst das Reiseverhalten?“ und „Welche Entwicklungstrends lassen sich ableiten?“ im Mittelpunkt.

„Das sind für uns als Fachverband für Kinder- und Jugendreisen wesentliche Ansätze, um die Vorstellungen von Jugendlichen, ihr Reiseverhalten und ihre Zukunftswünsche besser zu verstehen“, sagt Holger Seidel, Vorstandsvorsitzender von Reisenetz. Die Organisation gilt als eines der aktivsten und größten Netzwerke im Bereich Kinder- und Jugendreisen in Deutschland und will die Professionalisierung des Jugendreisens vorantreiben.

Die richtigen Antworten auf die Bedürfnisse finden

Die Studienergebnisse sind für alle Beteiligten Motivation und Antrieb: „Wir werden jetzt als touristische Leistungsträger die richtigen Antworten auf die Bedürfnisse der Jugendlichen finden und passende Produkte anbieten“, erklärt Oliver Winter. Und Holger Seidel formuliert mit Blick auf Politik und Gesellschaft: „’Jugendreisen für Alle‘ wäre ein proaktiver Weg deutscher und europäischer Politik, zum Beispiel mit Reisegutscheinen für alle Schulklassen.“

Sinnvoll wäre weiterhin die Förderung von Begegnungsräumen in Form von naturnahen Lernorten, zertifizierten Jugendreisedestinationen, intermodalen Mobilitätsformen, dezentralen Ferienfreizeiten, bildungsorientierten Jugendfestivals, flexiblen Austauschprogrammen oder abwechslungsreichen Natur- und Sportcamps. „Diese könnten, ähnlich wie Exkursionen, Teil des Schulunterrichts werden und eine nachhaltige Investition in die Zukunft bedeuten.“

(a&o Hostels/SAKL)

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