Reisen bleibt trotz Krisen wichtig für die Deutschen
Trotz geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und globaler Krisen bleibt Reisen für viele Menschen in Deutschland ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensqualität. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hervor.
Demnach sehen 64 % der Befragten Reisen als notwendige Auszeit vom belastenden Alltag. Jeder Zweite beschreibt Urlaub als wichtigen Teil der eigenen Lebensqualität. Gleichzeitig beurteilen 67 % die weltweite Lage negativ bis sehr negativ – mit direkten Auswirkungen auf das eigene Reise- und Buchungsverhalten.
Die Umfrage wurde im Vorfeld des 27. Tourismusgipfels durchgeführt, der am 19. Mai in Berlin stattfindet.
„Die Menschen haben nicht die Lust am Reisen verloren, sondern ihre Sicherheit“, sagt BTW-Präsident Sören Hartmann. „Unsere Studie zeigt sehr klar: Nicht geopolitische Krisen allein, sondern vor allem auch wirtschaftliche Sorgen bestimmen aktuell, ob und wie überhaupt gereist wird.“
Wirtschaftliche Sorgen bremsen Reisepläne
Rund 40 % der Befragten planen laut Umfrage, 2026 bei Reisen zu sparen. Besonders betroffen sind ältere Menschen sowie Haushalte mit niedrigem Einkommen. Als wichtigster Grund gilt die persönliche wirtschaftliche Unsicherheit, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Bedeutung gewonnen habe.
„Tourismus ist ein Spiegel der gesamtwirtschaftlichen Stimmung“, so Hartmann weiter. „Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss. Deshalb brauchen wir dringend wieder echtes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Wir müssen raus aus dem Stimmungstief, sonst gefährden wir weiter unsere über 250.000 Tourismusbetriebe, meist Familienunternehmen.“
Steigende Reisekosten bleiben laut Umfrage zwar weiterhin der am häufigsten genannte Einflussfaktor. Besonders stark zugenommen haben jedoch Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft.
Europa und bekannte Reiseziele gewinnen an Bedeutung
Die Umfrage zeigt außerdem, dass geopolitische Konflikte das Reiseverhalten verändern. So geben 35 % der Befragten an, sich häufiger für Reiseziele innerhalb Europas zu entscheiden. 22 % bevorzugen bekannte oder bereits bereiste Destinationen.
26 % verzichten zumindest teilweise aufs Reisen. Überdurchschnittlich betroffen seien dabei Menschen mit geringem Einkommen.
Flexible Buchungen gewinnen an Bedeutung
Für viele Reisende spielen Sicherheit und Flexibilität bei der Urlaubsplanung inzwischen eine größere Rolle. Besonders wichtig sind laut Umfrage flexible Buchungs- und Stornierungsmöglichkeiten. Auch verlässliche Informationen zur Lage vor Ort sowie Reiseangebote mit integrierter Absicherung werden häufig genannt.
„Die Menschen reisen bewusster und risikoärmer“, betont Hartmann. „Europa profitiert von dieser Entwicklung – vorausgesetzt, Mobilität bleibt bezahlbar und Urlaub planbar.“
Vor allem Familien reagierten sensibel auf transparente Rahmenbedingungen. Jüngere Zielgruppen legten zusätzlich Wert auf persönliche Ansprechpartner.
„Vertrauen ist eine zentrale Währung der Tourismuswirtschaft“, so Hartmann. „Das zeigt sich heute mehr denn je. Darauf müssen wir als Branche einstellen, brauchen aber auch die entsprechende politische Rückendeckung und Entscheidungen, z. B. wenn es um klare Kommunikation zu beispielsweise Reisewarnungen geht.“
BTW fordert wirtschaftliche Stabilität
Der BTW sieht in den Ergebnissen der Umfrage einen Hinweis auf die Bedeutung stabiler wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche.
„Als Tourismuswirtschaft sind wir in einer fragilen Lage. Uns muss allen klar sein: Tourismus ist kein verzichtbarer Luxus, sondern hat für die Menschen in diesem Land einen enormen gesellschaftlichen Wert und ist wirtschaftlich systemrelevant“, fasst Hartmann zusammen.
Aus Sicht des Verbands brauche es wieder Wirtschaftswachstum und mehr Perspektiven für die Bevölkerung. Besonders Menschen mit geringem Einkommen müssten vor weiteren Preissteigerungen geschützt werden, damit Erholung und Genuss nicht zur sozialen Frage würden.
Der BTW fordert unter anderem eine Ausweitung der Preisbremse bei Kraftstoffen, geringere Belastungen für den Flugverkehr sowie ein entschlossenes Vorgehen der Bundesregierung im Umgang mit der Iran-Krise.
Hartmann abschließend: „Jeder weitere Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen ist, belastet die Menschen in diesem Land und gefährdet die Existenz unserer Betriebe mit knapp 2,7 Millionen Beschäftigten. So sollte die EU mit ihren internationalen Partnern sich aktiv in eine Befriedung des Konfliktes einbringen“.
(BTW/ SAHO)