Urlaub bleibt gefragt: Mittelmeer legt deutlich zu
Die Deutschen verzichten trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten weiterhin nur ungern auf ihren Haupturlaub. Das zeigt eine vorläufige Bilanz des Deutschen Reiseverbands (DRV) für die Sommersaison 2026. Demnach stieg der Umsatz mit organisierten Urlaubsreisen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent. Die Zahl der Reisenden legte um zwei Prozent zu.
Grundlage der Auswertung von Travel Data + Analytics (TDA) sind Buchungen bei Reisebüros und Online-Reiseportalen, die Produkte von Reiseveranstaltern vertreiben. Berücksichtigt wurden Buchungen bis Ende August 2026.
Besonders das Last-Minute-Geschäft sorgte im Sommer für zusätzliche Nachfrage. Nachdem das Frühbuchergeschäft Ende 2025 und zu Beginn des Jahres zunächst stark angelaufen war, ließ es mit Beginn des Nahost-Konflikts im März nach. Viele Urlauber entschieden sich später für ihre Reise.
„Die Menschen wollen reisen, der Urlaub steht in der Konsumpriorität auch weiterhin ganz weit oben. Gleichzeitig sehen wir, dass die Kundinnen und Kunden genauer abwägen und teilweise später buchen“, sagt DRV-Präsident Albin Loidl.
Griechenland und Türkei gewinnen an Umsatz
Besonders positiv entwickelte sich im Sommer 2026 der östliche Mittelmeerraum. Die Umsätze mit Reisen nach Griechenland, in die Türkei, nach Ägypten und Tunesien stiegen zusammen um acht Prozent. Dabei legten Griechenland um zehn Prozent, die Türkei um neun Prozent und Ägypten um vier Prozent zu.
Auch die westlichen Mittelstreckenziele entwickelten sich positiv. Spanien und Portugal verzeichneten zusammen ein Umsatzplus von fünf Prozent. Für das spanische Festland fiel der Zuwachs mit elf Prozent besonders deutlich aus. Kreuzfahrten legten ebenfalls um fünf Prozent zu.
Deutlich schwächer verlief dagegen das Fernreisegeschäft: Hier sank der Umsatz um 14 Prozent. Als Gründe nennt der DRV unter anderem Flugstreichungen und Reisewarnungen infolge des Nahost-Konflikts.
Für Hoteliers und Gastronomen in touristischen Destinationen sind diese Entwicklungen ein Hinweis darauf, welche Regionen im organisierten Reisemarkt derzeit besonders gefragt sind. Die Zahlen lassen allerdings keine direkten Rückschlüsse auf die Auslastung einzelner Hotels oder die Umsätze gastronomischer Betriebe zu.
Haupturlaub bleibt wichtig – weitere Reisen geraten unter Druck
Während der Sommerurlaub für viele Haushalte weiterhin Priorität hat, zeigt sich bei zusätzlichen Reisen eine zurückhaltendere Entwicklung. Nach Einschätzung des DRV verzichten Verbraucher angesichts des finanziellen Drucks zunehmend auf Zweit- und weitere Urlaubsreisen. Besonders Familien wägen ihre Ausgaben offenbar genauer ab.
Für den Winter 2026/27 liegt der Umsatz mit Veranstalterreisen nach aktuellem Buchungsstand noch zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dabei wirkt sich insbesondere die schwächere Nachfrage nach Fernreisen aus. Rückgänge zeigen sich laut DRV unter anderem bei den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. Die Malediven, Thailand und die Dominikanische Republik entwickeln sich dagegen vergleichsweise stabil oder liegen teilweise über dem Vorjahresstand.
Urlaubsnachfrage im Überblick
Veranstalterreisen, Buchungsstand Ende August 2026 im Vergleich zum Vorjahr
+4 % +2 %
Umsatz im Sommer 2026 Reisende im Sommer 2026
+8 % −14 %
Umsatz östliches Mittelmeer Umsatz Fernreisen im Sommer
−2 % +8 %
Umsatz Winter 2026/27, Umsatz Sommer 2027,
aktueller Buchungsstand früher Buchungsstand
Quelle: Deutscher Reiseverband (DRV), Auswertung von Travel Data + Analytics (TDA). Die Werte beziehen sich auf den organisierten Veranstalterreisemarkt, nicht auf den gesamten Tourismus- oder Hotelmarkt.
Für Gastgeber in saisonabhängigen Urlaubsregionen bleibt damit die Frage relevant, wie sich die Nachfrage außerhalb der Hauptreisezeit entwickelt. Die vorliegenden Zahlen zeigen zunächst die Buchungslage im Veranstaltermarkt, nicht die tatsächliche Nachfrage nach einzelnen Unterkunfts- oder Gastronomieangeboten.
Sommer 2027: Frühbuchungen stimmen den DRV zuversichtlich
Einen positiven Ausblick liefert der frühe Buchungsstand für den Sommer 2027. Hier liegt der Umsatz aktuell acht Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Ein wesentlicher Faktor sind die Frühbuchungen im Kreuzfahrtsegment.
DRV-Präsident Loidl bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv, verweist aber auf die frühe Phase der Buchungssaison. Wie sich die Konsumstimmung, die Preise und geopolitische Entwicklungen auf die weitere Nachfrage auswirken, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
Für die Hospitality-Branche bleibt die Entwicklung der Reiseströme ein wichtiger Orientierungswert. Die Sommerbilanz deutet darauf hin, dass Urlaub für viele Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Gleichzeitig können sich Buchungszeitpunkte, Reiseziele und die Nachfrage nach zusätzlichen Reisen verändern.
(Deutscher Reiseverband/KAGI)