Globale Studie

Welche Bedeutung Ratings für Hotellerie und Tourismus haben

Wie die Trend-Radar-Studie „The Rating Economy 2019“ zeigt, beeinflussen Produktbewertungen unser Konsumverhalten. Je nach Branche gibt es jedoch Unterschiede.        

Montag, 11.03.2019, 16:22 Uhr, Autor: Kristina Presser
Kundenbewertungen auf dem Handy

Vor allem in Hotellerie und Tourismus beeinflussen Kundenbewertung häufig die eigene Kaufentscheidung (© Fotolia / NicoElNino)

Produktbewertungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Damit prägen sie nicht nur das Einkaufsverhalten, sondern auch die Markentreue, wodurch Kunden weniger von Marketingbotschaften abhängig sind. Wie die aktuelle Trend-Radar-Studie „The Rating Economy 2019“ der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners ergab, sind Ratings inzwischen sogar das dritt-wichtigste Kriterium für Kaufentscheidungen, nur übertroffen durch die Produkteigenschaft und den Preis. Damit verliert die Marke selbst an Überzeugungskraft.

Mehr Transparenz dank Produktbewertungen
Unter den Befragten gab fast jeder Zweite an, dass er entsprechende Bewertungen lese, bevor er ein Produkt kaufe. Und beinahe ebenso viele der Befragten sind der Meinung, dank Ratings mehr für ihr Geld zu bekommen. „Sie fühlen sich nicht nur besser informiert und tätigen weniger Fehlkäufe. Ihrer Ansicht nach erhalten sie auch qualitativ hochwertigere Produkte“, erklärt Dr. Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher. Denn die „Rating Economy“ mache die angebotenen Produkte für Verbraucher transparenter. Gleichzeitig beeinflussen Konsumenten damit mehr und mehr, welche Produkte und Unternehmen erfolgreich sind. „Die Konsumenten sind also immer weniger von den Marketingversprechen und Werbebotschaften der Unternehmen abhängig“, erörtert Georg Tacke.

„Rating Economy“: Müssen Unternehmen ihr traditionelles Marketing umdenken?
Der schnelle, einfache und direkte Vergleich eines Produkts bei verschiedenen Anbietern macht Kunden sprunghafter. Die Loyalität zu Marken und Unternehmen wird durch Ratings aufgeweicht. Ein Drittel der Befragten gibt an, schon einmal aufgrund eines besser bewerteten Produkts die Marke gewechselt zu haben, und vielerorts haben Kundenbewertungen die Marke als Kaufkriterium überholt. „Vor allem die untervierzigjährige, urbane Zielgruppe hat eine weniger enge Bindung zu Marken; sie glaubt stärker an die Empfehlungen anderer Konsumenten als an Marketingversprechen und sucht das jeweils für sie beste Produkt“, sagt Tacke. „Das macht positiv bewertete Produkte für Unternehmen umso wertvoller – und sollte für sie ein Ansporn sein, die Qualität ihrer Produkte stetig zu verbessern.“ Unternehmen müssten sich demnach verstärkt Gedanken machen, wie sie ihre Kunden zu mehr Ratings motivieren könnten. Früher oder später kämen sie nämlich nicht an einer Rating-‚Strategie‘ vorbei, wie der Diplom-Kaufmann angibt.

Hotellerie und Tourismus an der Rating-Spitze
Nicht in allen Branchen haben Ratings bereits diese immense Bedeutung. Generell spielen Produktbewertungen die wichtigste Rolle bei Unterhaltungselektronik (60 Prozent der Konsumenten weltweit sehen sich hier vor einer Entscheidung die Bewertungen an; in Deutschland: 58 Prozent). Auch in der Hotel- und Tourismus-Branche (weltweit: 60 Prozent; Deutschland: 57 Prozent) werden sehr häufig Rating zurate gezogen, wenn es um eine Kaufentscheidung geht. „In anderen Branchen, vor allem Versicherung, Handwerk oder Automotive, haben Produkt-Ratings dagegen aktuell noch relativ wenig Bedeutung“, sagt Tacke. „Hier steckt der Rating-Trend noch in den Kinderschuhen. Aber auch hier werden wir in Zukunft Veränderungen sehen.“

Über die Studie
Der Trend Radar ist eine globale Studie, die 2019 erstmals von Simon-Kucher & Partners durchgeführt wurde. Zum Thema „Rating Economy 2019“ wurden online im Februar 2019 knapp 6.400 Endkonsumenten in 23 Ländern weltweit – darunter knapp 430 Teilnehmer aus Deutschland – zu ihrem Rating-Verhalten befragt. (ots/KP)

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