Vancouver Kulinarische Hochkultur im Regenwald
Das deutsche Sehnsuchtsziel am Pazifik ist wunderschön und gastronomisch beeindruckend
von Gabriele GugetzerIn der Großregion Vancouver leben 2,7 Millionen Menschen – Michelinsterne gibt’s ganze 12. Wieso also hat der Condé Nast Traveller die Stadt nach Tokyo und Madrid auf den dritten Platz der besten ikonischen Genusshauptstädte gewählt und weshalb gilt sie auch bei dem Food & Wine Magazine als globale Topadresse?
Wir lüften das Geheimnis, das auf drei Säulen steht: Können, Produktqualität und Internationalität. Letztere beruht nicht auf einem gesichtslosen Asiamix, wie er in Deutschland häufig praktiziert wird, sondern auf einem tiefen Verständnis für die jeweiligen Länderküchen. Immerhin ist Kanada das ultimative Einwanderungsland. Dass der Service schnurrt, weil jeder Kanadier arbeiten muss, um eine Sozialversicherung zu bekommen – geschenkt. Aber es gibt gute Gründe, weshalb Vancouver das Label „Topadresse“ verdient.
Stadt, Land, Markt
Lange bevor sich Vancouver im letzten Jahrzehnt als Ziel für Kulinariker positionierte, galt es schon als eine der schönsten Städte der Welt. Die Lage zwischen Pazifik und Küstengebirge ist einfach unvergleichlich. Der Panoramablick schweift von der bärenbevölkerten Bergwelt der Vororte bis zum Skiparadies Mount Whistler auf der einen Seite sowie Stränden und weitem Meer auf der anderen. Der Stadtwald Stanley Park ist ein Regenwaldrefugium, in dem man stundenlang ungestört zwischen massiven Evergreens wandern oder waldbaden kann.
Das Stadtbild selbst ist gepflegt und weitläufig, ohne Häuserschluchten wie in New York oder Chicago. International arrivierte Architekten wie die Bjarke Ingels Group, Kengo Kuma, Mosche Safdie, Foster + Partner haben die vielen überaus interessanten Skylines geprägt. Dazwischen stehen entzückende „historische“ Holzhäuser und hübsche mehrstöckige Häuser aus den Sixties. Das eigene Bötchen scheint ein Menschenrecht und ist allgegenwärtig, ob man nun nach Granville Market übersetzt oder zum Lachsangeln aufs Wasser tuckert. 
Granville Market wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Seilerei gebaut. Im Jahr 1979 wurde das Gebäude gekonnt umgenutzt. Hier finden sich viele Anregungen, wie sich deutsche innerstädtische Markthallen neu positionieren könnten: Ab neun Uhr morgens findet in den Hallen ein Bauernmarkt statt. Dazu kommen feste Verkaufsstände mit vielfältigem Angebot, von kanadischem Käse und in Ahornsirup kandiertem Wildlachs über Bagels so groß wie in New York und einer reinen Brühebude bis zum Stand nur für Gewürzgurken.
Bewaffnet mit einer entzückend angerichteten Tüte mit mundgerechten Wurst- und Käsestückchen (200 g unter 10 Euro) in der Hand geht man knabbernd einkaufen. Später öffnen Pubs, Theater und Kunstgalerien, auch eine Ballettkompagnie ist ansässig. So wird aus dem Markt eine Location zum Ausgehen, Feiern und Shoppen.
