Azubis gesucht Ansprüche inklusive
Zwischen Sinnsuche, Entwicklungschancen und Arbeitgebermarke
von Sarah KleinenHeute geht es jungen Menschen nicht mehr nur um einen Ausbildungsplatz, sondern um Perspektiven und Wertschätzung.“ Was Torsten Kraft, Teamlead Talentmanagement bei Leonardo Hotels Central Europe, beobachtet, beschreibt einen grundlegenden Wandel in der Nachwuchsgewinnung. Wer heute eine Ausbildung in Hotellerie oder Gastronomie beginnt, entscheidet sich deutlich bewusster für einen Arbeitgeber als noch vor wenigen Jahren.
Für die Betriebe bedeutet das ein Umdenken: Gefragt sind nicht mehr allein sichere Ausbildungsplätze und attraktive Vergütungspakete. Junge Menschen achten zunehmend auf Unternehmenskultur, Entwicklungsmöglichkeiten, Führung und die Frage, ob die versprochenen Werte im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt werden.
Die gute Nachricht
Immer mehr Nachwuchskräfte interessieren sich wieder für eine Ausbildung im Gastgewerbe. Diese Entwicklung belegen aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesinstituts für Berufsbildung.
Während im Jahr 2022 in der Hotellerie lediglich 46 Bewerber auf 100 gemeldete Stellen kamen, lag die Bewerber-Stellen-Relation im Jahr 2025 bereits bei 104 zu 100. In Gastronomieberufen stieg sie im selben Zeitraum von 24 auf 42 Bewerber pro 100 Stellen. Auch die Ausbildungszahlen entwickeln sich positiv. Laut der amtlichen DIHK-Statistik wurden 2024 über 50.700 junge Menschen im Gastgewerbe ausgebildet – das ist ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Gesamtwirtschaft blieb die Zahl nahezu stabil. Im Jahr 2025 setzte sich diese Entwicklung fort: Bei den Neuabschlüssen lag die Branche nach den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) mit gut 32.568 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sogar 2,8 Prozent über dem Vorkrisenniveau.

Junge Menschen wählen bewusster
Bei den Leonardo Hotels sind im vergangenen Jahr rund 80 neue Auszubildende und Dual-Studenten gestartet. Das Unternehmen setzt auf eine Ausbildung, die über die reine Vermittlung fachlicher Inhalte hinausgehen soll, denn Azubis hinterfragen heute viel stärker, welche Werte ein Unternehmen vertritt und wie dort tatsächlich gearbeitet wird.
Themen wie Work-Life-Balance, Diversität oder Flexibilität spielen eine viel größere Rolle als früher. „Gerade in der Hotellerie ist das ein wichtiger Wandel. Wir müssen zeigen, dass Hospitality mehr ist als klassische Schichtarbeit. Es geht um Teamarbeit, Internationalität, Entwicklungsmöglichkeiten und eine Branche, die unglaublich viele Chancen bietet“, betont Kraft.
Auch Hannah Baldus, Cluster Junior HR Manager der Lindner Hotel Group, beobachtet diesen Wandel. Unternehmen müssen mehr bieten als ein gutes Gehalt. „Respekt, Anerkennung und offene Kommunikation sind wichtige Indikatoren“, erklärt sie. Gleichzeitig werden Benefits deutlich bewusster wahrgenommen. Die Lindner Hotel Group punktet hier vor allem mit attraktiven Mitarbeiterrabatten. Zugleich versuche man, eine gesunde Meeting-Kultur zu etablieren und Perspektiven aufzuzeigen. Insbesondere mit dem „Day to Stay“ sei man sehr erfolgreich darin, junge Talente innerhalb des Unternehmens zu halten und zu fördern.
