Mehr als Durstlöscher
Drinks mit oder ohne Umdrehungen, aber immer mit Umsatzpotenzial
von Gabriele GugetzerNicht jeder ist bereit, für eine nichtalkoholische Getränkebegleitung gleich die staunenswerten 200 Euro aus dem Alchemist auf den Tisch zu legen. Das muss auch nicht sein: Es geht preiswerter und kreativer. Die Gäste sind gespannt auf Neues, deswegen gehen sie schließlich aus. Ein Fläschchen Sekt, ob mit oder ohne Alkohol, können sie sich auf dem Balkon auch selbst aufziehen.

Zero und kein Ende
Nun ist auch der französische Aperitif Lillet auf den Zero-Zero-Zug aufgesprungen, inklusive schickem Flaschendesign mit sommerblauen Akzenten. Die Lillets betonen, dass es ihnen „weniger um ein Entweder-Oder, sondern mehr um ein Je-nach-Moment“ ginge – eigentlich die eleganteste Umschreibung für ein sommerleichtes Gefühl, das die Gastro mit schön designten Produkten bedienen kann. Die Rezeptur für den Klassiker bleibt: 1 Teil Lillet 0 %, 2 Teile Schweppes Wild Berry, auf Eis servieren und mit Beeren garnieren.
GERADE IN DER
GEHOBENEN GASTRONOMIE WIRD DIE
WASSERKARTE
ZUNEHMEND ALS EIGENSTÄNDIGES UMSATZSEGMENT VERSTANDEN.
Die Aperitivo-Kultur
Der Spritz nimmt in Deutschland an Fahrt auf. Das zeigt auch eine aktuelle Analyse von SumUp. Demnach kostet ein Aperol Spritz in Deutschland inzwischen durchschnittlich 6,80 Euro und damit knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders hoch liegen die Preise in Hamburg (8,30 Euro), Bremen (7,97 Euro) und Berlin (7,78 Euro). In Essen legen Gäste mit durchschnittlich 8,47 Euro deutschlandweit sogar am meisten für den beliebten Aperitif hin. Die Zahlen zeigen zweierlei: Der Spritz hat sich endgültig als gastronomischer Klassiker etabliert. Und die Gäste sind bereit, für das passende Sommergefühl Geld auszugeben.
In den L’Osteria Restaurants gibt es den Spritz für Aperol, Hugo, als Veneziano mit Weißwein, Aperol und Soda und als Italicus mit dem Rosenlikör gleichen Namens, aufgegossen mit Bitter Lemon und Frizzante. Weitere Anregungen für selbst gemixte Spritz bietet das Buch „Aperitivo“ von Tanja Dusy und Klaus Maria Einwanger (gerade erschienen bei Gräfe und Unzer). Überdies gibt‘s Tipps für Häppchen. 
Déjà-Vu hat für die Gastro eine Serie entwickelt, die in der Oriental-Version mit Zitrusnoten und einer leichten Ingwerschärfe punktet und beim Aloha mit einer knalligen Farbe, die ganz natürlich durch Hibiskusblüte entsteht. Zum Mixen mit Prosecco und Soda im Verhältnis 2:3:1 in ein mit Eiswürfeln befülltes Glas gießen. Vielleicht noch essbare Blüten als Ausgarnierung und die Youngsters sind beeindruckt. So eine Farbe fehlte tatsächlich!
Auch der Chartreuse eignet sich wunderbar für einen Aperitif und ist jungen Gästen garantiert noch unbekannt. Das Storytelling wird ihnen gefallen: Der Ursprung dieses auf 130 Kräutern, Pflanzen und Gewürzen basierenden Getränks in Gelb oder Grün ist das Jahr 1605. Bis heute wird es ausschließlich von Kartäusermönchen hergestellt. In Frankreich immer noch ein Klassiker, hier eher ein Geheimtipp.
Die Attraktivität des Aperitivo-Geschäfts liegt nicht allein im Getränk selbst, sondern im Erlebnis. „Apéro ist ja nicht eine bestimmte Art von Drink, sondern ein Moment: diese frühe Abendstunde, die die Zeit zwischen Arbeitsende und Freizeit einläutet“, erklärt Felix Engels, Betreiber des Kölner Suderman und Mitorganisator des Bar Symposium Cologne. Genau darin liegt das Potenzial für die Gastronomie: Gäste früher abholen, zusätzliche Konsumanlässe schaffen und den Übergang vom Nachmittags- zum Abendgeschäft aktiv gestalten.
