Solche Beispiele gibt es immer mehr. Im entzückenden kleinen Ansitz Romani im Weindorf Tramin, wo allein sieben Schäumer aus der Region auf der Weinkarte stehen, prässentiert auch Julia aus der legendären Walch-Dynastie gerne ihre Weine. Das Kartoffelbrot wird selbst gebacken, schlicht und überzeugend mit frittierten Kapern und Meerrettich als Amuse serviert; saisonal gibt es karamellisierten Spargel aus der Region oder ein Süppchen aus heimischen Kastanien; klassisch sind Gnocchi, aber auch ein Hummergericht fehlt nicht.
Ganz anders in Sachen Optik und Zielgruppe zeigt sich das Romantik-Hotel Oberwirt in Marling. Mit dick gepolsterten Sitzmöbeln gediegen und wertig eingerichtet, wirkt es dennoch nicht spießig, sondern hell und freundlich. Die Außenanlage mit Pool fehlt ebenso wenig wie der Spa-Bereich und das Hallenbad. Für zusätzlichen Reiz sorgen der mehrstöckige Weinkeller und ein sensationelles Risotto mit Amalfi-Zitrone.
Im ländlichen Ansitz Steinbock gibt es zum einen modernes Fine Dining für Gäste, denen es nach Gault Millau (16 Punkte) und Guide Michelin (Bib) verlangt, und zum anderen klassisch alpines Dining für Hausgäste. Auf der mittags wie abends geltenden Karte stehen neben Pasta auch Villnösser Brillenschaf aus eigener Zucht – schließlich orientiert man sich hier an der Slow-Food-Philosophie. Das Haus ist außerdem Gewinner des Weinkulturpreises Südtirol 2024.
„Gewürz“, Genossenschaften und der Apfel
Und da wären wir dann auch beim Wein. Aber was hat das mit dem Apfel zu tun? Nun, aus Südtirol stammen elf Prozent der Apfelernte ganz Europas. Viele Bauern besitzen nur wenige Hektar Land und können dennoch davon leben, da sie drei Standbeine haben: Weinbau, Apfelanbau und Ferienwohnungen.
Den Wein liefern sie an Genossenschaften, die mittlerweile einen hervorragenden Ruf genießen. Die Bauern werden gut bezahlt für ihr Qualitätsprodukt und sie werden betreut. Willi Stürz, Urgestein der Südtiroler Weinszene, kernig und charmant wie Luis Trenker, ist Kellermeister der Kellerei Tramin, wo Gewürztraminer, kurz „Gewürz“, einen großen Posten ausmachen, der USP ist allerdings ein anderer: „Wir haben die technischen Möglichkeiten, die idealen Erntezeiten für einzelne Parzellen zu bestimmen,“ sagt Stürz sichtlich stolz. „Das sehen wir als unsere Trumpfkarte an: den Bauern sagen zu können, wann der beste Lesezeitpunkt ist“ – was manchmal eine Frage weniger Stunden sein kann. 75 Prozent des Weins wird genossenschaftlich produziert, 160 Besitzerfamilien verfügen insgesamt über 270 Hektar Rebfläche. Und bei Preisen von über 30 Euro ab Hof wie beim Nussbaumer Gewürztraminer ist schon mal klar, wohin die Reise geht. „Der Gewinn geht vorrangig zu den Winzern“, erklärt der Kellermeister.
Willi Stürz hat noch den Umbau der Weinkultur in den 1990er-Jahren miterlebt. Damals fuhr das althergebrachte Konzept mit dem massentauglichen und in Massen abgefüllten roten Vernatsch gegen die Wand und Südtirol musste sich ganz neu aufstellen. Inzwischen wird wesentlich mehr Weißer angebaut: Gewürztraminer, Chardonnay, Weißburgunder und Kerner sind die wichtigsten Sorten. Von Masse ging es zu Klasse. Auch der biodynamische Weinbau spielt eine bedeutende Rolle. Und man ist für Neues offen. „PIWIs brauchen wir im biodynamischen Landbau. Daraus sollten die einfachen Weine für den LEH gemacht werden“, meint etwa Alois Clemens Lageder.
Auf dem biodynamischen Weingut Manicor, dessen Wurzeln ins 17. Jahrhundert reichen, laufen zwar Hühner und Schafe idyllisch und dekorativ durch die Weinberge, doch man setzt hier auf allerneueste Kellertechnik – und auf Handlese der 300.000 Rebstöcke (der Traktor holt nur die Kisten aus dem Weinberg). Vom Moscato Giallo fürs Day Drinking über Chardonnays und PIWIs bis zum hochpreisigen Sauvignon Blanc geht die Range. Die glücklichen Rotweine werden im Barriqueraum – Manincor besitzt einen eigenen Eichenwald! – mit klassischer Musik beschallt.
Sechs neue Ideen für den Önotourismus
- Bike Wine Ambassador Programme: Zertifizierte Guides begleiten individuell ausgearbeitete Wein-Radtouren. Der Fokus liegt auf Architektur, Ausblick oder Rebsorten. Verkostet wird erst zum Schluss.
- Schlafen im Weinberg: z. B. im Hotel Castell Sallegg in Kaltern, wo historisches Gemäuer mit Antiquitäten aus Familienbesitz und schönen Landhausmöbeln ansprechend ausgestattet wurde. Das Haus hat nur 15 Zimmer bzw. Suiten und ist ideal für Gäste, die ein bisschen „runterkommen“ wollen. Selbst die hauseigene Bar ist irgendwie distinguiert. Ein kleines Juwel.
- Weinexpeditionen: Die Kellerei Kurtatsch bietet eine begleitete 12-Kilometer-Tour, bei der es ab 900 Höhenmetern zu Fuß durch die Landschaft geht. Unterwegs werden zwölf Weine verkostet, anschließend gibt’s im Ansitz Freienfeld aus dem 15. Jahrhundert ein dreigängiges Mittagsmenü.
- Nachhaltigkeit: Der Neubau der Kellerei Bozen wurde 2019 nach strenger Qualitätskontrolle der KlimaHaus-Zertifizierung durchgeführt, um Heiz- und Kühlkosten zu reduzieren. Auch Gründächer und natürliche Belüftung sind Elemente der beispielhaften Bauweise.
- Wein im Garten: im zauberhaften Weingut Kränzlhof.
- Touren mit Geländewagen: Winzer Matthias Hofstätter vom Weingut J. Hofstätter fährt Gäste durch seine Weinberge auf beiden Talseiten.