Trotz digitaler Helfer bleibt der Mensch entscheidend für die Bewertung
Trotz digitaler Helfer bleibt der Mensch entscheidend für die Bewertung und die Umsetzung der nötigen Folgemaßnahmen im Falles eines Schädlingsbefalls. Aber die dauerhafte Wachsamkeit – also das fortlaufende Erkennen, Filtern und Melden relevanter Hinweise – kann digitale Technik deutlich besser leisten als die punktuelle menschliche Kontrolle. Fotos: Friends Stock/stock.adobe.com (Bild rechts), Tahsin/stock.adobe.com/generiert mit KI (Bild links)

Warum Monitoring heute unverzichtbar ist

Während früher häufig erst auf einen sichtbaren Befall reagiert wurde, setzen moderne Konzepte auf permanente Überwachung. „Ein kontinuierliches Monitoring schützt den Betrieb auf mehreren Ebenen“, betont Sophie Scharrer. Der größte Vorteil sei die Früherkennung: „Probleme werden identifiziert, bevor sich ein Befall großflächig ausbreitet.“ Gleichzeitig forderten Behörden und Lebensmittelkontrolleure weiterhin ein lückenloses Überwachungskonzept. Auch Habib Fekih sieht darin den entscheidenden Punkt: „Eigentlich müsste unsere Branche nicht Schädlingsbekämpfung, sondern Schädlingsprävention heißen.“ Sein Unternehmen verstehe sich deshalb als Partner, der Befall möglichst gar nicht erst entstehen lasse. Prävention schütze nicht nur die Lebensmittelsicherheit, sondern langfristig den wirtschaftlichen Betriebserfolg.

Nachgefragt bei der Bettwanze
Grafik generiert mit ChatGP

NACHGEFRAGT BEI ... der Bettwanze

Sie ist klein, hartnäckig und in Hotels ein besonders ungebetener Gast. Höchste Zeit also, der Bettwanze einmal selbst auf den Zahn zu fühlen.

Frau Bettwanze, warum fühlen Sie sich eigentlich ausgerechnet in Hotels so wohl?
Weil hier ständig neue Gäste ein- und auschecken. Wissen Sie, ich reise nämlich gerne im Koffer mit und finde in Hotelzimmern unheimlich viele gemütliche Verstecke. So sind beispielsweise Matratzen, Bettgestelle oder Polstermöbel genau mein Ding.

Woran merken Hoteliers, dass Sie da sind?
Leider oft erst, wenn sich Gäste über juckende Stiche beschweren. Dabei hinterlasse ich schon vorher kleine Spuren. Wer regelmäßig kontrolliert, entdeckt mich deutlich früher.

Was mögen Sie überhaupt nicht?
Wachsame Mitarbeiter, regel- mäßige Zimmerkontrollen und Fachleute, die wissen, wo sie suchen müssen. Dann endet mein Hotelaufenthalt meist schneller als geplant.

Ihr Tipp an die Gastgeber?
Bloß nicht nachlässig werden. Ich brauche nur einen günstigen Moment, schon checke ich wieder ein.

André Brüning
Digitales Schädlingsmanagement wird deutlich stärker zum Frühwarn- und Dokumentationssystem. André Brüning, Director Operations, Rentokil Initial; Foto: Rentokil Initial

Wenn künstliche Intelligenz mitwacht

Dass die Vorbeugung des Schädlingsbefalls künftig zunehmend digital funktioniert, zeigt Rentokil. Das Unternehmen erweitert sein System „PestConnect“ um die KI-gestützte Bildanalyse „Optix“. Kameras überwachen Bereiche wie Zwischendecken, Schächte oder Technikräume und erkennen dort automatisch verdächtige Aktivitäten. 

Warum gerade jetzt? Für André Brüning, Director Operations bei Rentokil Initial, liegt die Antwort auf der Hand: „Mit dem Ende der befallsunabhängigen Dauerbeköderung gewinnen digitale Monitoringlösungen zusätzlich an Bedeutung. KI kann helfen, relevante Hinweise schneller zu erkennen und besser von Störereignissen zu unterscheiden.“ Der eigentliche Vorteil liege jedoch in der permanenten Überwachung. „KI ermöglicht eine digitale Wachsamkeit, die ein Mensch im Alltag einfach nicht leisten kann.“ Sie werte kontinuierlich Daten aus und könne dadurch deutlich früher auf Auffälligkeiten reagieren. 

Erste Praxistests zeigen bereits den Nutzen. So konnte Optix in einem Testlauf einen Schadnager in einer Zwischendecke identifizieren, obwohl zuvor weder Kot noch Fraßspuren entdeckt worden waren. Ohne die visuelle KI-Überwachung wäre dies deutlich schwieriger gewesen.

JETZT HANDELN

Neben einem professionellen Monitoring-Setup sollten Betriebe Zeit in bauliche, hygienische und organisatorische Maßnahmen investieren. Dazu gehören unter anderem: 

  • Bauliche Mängel beseitigen  
    Alle potenziellen Zugänge müssen versiegelt werden. Das betrifft Spalten unter Türen (hier helfen Bürstendichtungen), Kabel- und Rohrdurchführungen sowie unge­sicherte Lüftungsschächte. Eine Analyse dieser möglichen Eintrittsorte und die Umsetzung notwendiger Maßnahmen sind Bestandteile eines professionellen Schädlingsmonitorings. 
  • Ressourcen entziehen  
    Den Schädlingen sollte weder Nahrung noch Wasser oder Unterschlupf angeboten werden. Mögliche Nistplätze sind konsequent zu entfernen oder zu verschließen. Eine unattraktive Umgebung ist die beste Voraussetzung dafür, dass Schädlinge fernbleiben.
  • Korrektes Lager- und Abfallmanagement  
    Lebensmittel sollten niemals offen oder direkt auf dem Boden gelagert werden. Zusätzlich sollte auf ein strukturiertes Abfallmanagement und regelmäßige, gründliche Reinigungszyklen geachtet werden. 
  • Wareneingangskontrolle  
    Schädlinge werden häufig über Lieferungen eingeschleppt. Eine strikte Kontrolle bei der Warenannahme ist daher unverzichtbar. 
  • Mitarbeiterschulung  
    Das gesamte Team sollte für das Thema sensibilisiert werden, damit Anzeichen eines Befalls oder eine Lücke in den baulichen, hygienischen und organisatorischen Maßnahmen sofort erkannt und gemeldet werden.

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