
Fragen an die neue DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin
Oft betriebswirtschaftlich am Limit
Jana Schimke ist die neue Hauptgeschäftsführerin im DEHOGA, also im Deutschen Hotel- und Gaststätten-Bundesverband. Im Exklusiv-Interview zeigt sie die aktuelle Lage der Branche auf und nennt Forderungen an die Politik.
Frau Schimke, welche Kosten belasten die Betriebe derzeit am stärksten?
Der größte Treiber sind Personalkosten, vor allem durch die kräftigen Anhebungen des Mindestlohns. Sie liegen inzwischen rund 35 Prozent über dem Niveau von Anfang 2022. Dazu kommen stark gestiegene Kosten bei Nahrungsmitteln, Getränken und Energie. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um knapp 36 Prozent, Nahrungsmittel um fast 30, Energie um mehr als 27 Prozent.
Für eine personalintensive Branche wie das Gastgewerbe ist das eine enorme Belastung. In einem klassischen Restaurant machen die Personal- und Wareneinsatzkosten rund 70 Prozent des Umsatzes aus. Internationale Krisen und Konflikte verschärfen die Lage. Energie- und Transportkosten steigen, Unsicherheiten nehmen zu. Viele Unternehmen arbeiten betriebswirtschaftlich am Limit.
Ist die Sieben-Prozent-Entlastung damit schon wieder verspielt?
Die sieben Prozent Mehrwertsteuer waren wichtig und dringend notwendig. Sie helfen den Betrieben, trotz massiv gestiegener Kosten wirtschaftlich zu überleben. Zugleich sorgen sie endlich für Steuergerechtigkeit gegenüber To-go-Angeboten, Lieferservices und dem Einzelhandel. Zu berücksichtigen ist aber auch: Nicht alle Betriebe konnten gleichermaßen profitieren. Denn die sieben Prozent gelten ja nur für Speisen. Jetzt müssen weitere Reformen folgen. Wir brauchen ein deutlich besseres Konsumklima in Deutschland, damit alle Betriebe eine Zukunft haben.
Können Betriebe die Kosten auffangen oder müssen die Preise steigen?
Die Betriebe tun alles, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Sie prüfen ihre Angebote, optimieren Abläufe und gestalten Prozesse effizienter. Aber diese Möglichkeiten sind nicht unbegrenzt. Eine sorgfältige Kalkulation ist wichtiger denn je. Wie groß die Spielräume sind, hängt vom Konzept, vom Standort, von der Betriebsgröße, der Nachfrage und der individuellen Kostensituation ab. Ein Hotel in einer touristisch attraktiven Lage hat andere Möglichkeiten als ein familiengeführtes Wirtshaus im ländlichen Raum. Letztendlich muss ein Betrieb wirtschaftlich arbeiten können.
Was erwarten Sie von der Politik?
Deutschland braucht entschlossenes wirtschaftspolitisches Handeln: weniger Bürokratie, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit im Einklang mit der EU-Richtlinie und mehr Netto vom Brutto. Neue Belastungen wie das geplante Tierhaltungskennzeichnungsgesetz sind völlig fehl am Platz.
Auch auf die angekündigte Beitragserhöhung für Minijobs im Rahmen der Gesundheitsreform schauen wir mit großer Sorge. Die Arbeitgeber im Gastgewerbe sehen sich damit zusätzlich mit einer Personalkostensteigerung konfrontiert, und zwar für mehr als die Hälfte der Beschäftigten.
Droht ein Rückgang der Gästezahlen?
Hohe Lebenshaltungskosten dämpfen die Ausgabefreude. Gäste buchen kurzfristiger und vergleichen intensiver. Sie reagieren deutlich preissensibler und sparen häufiger beim Ausgehen und Reisen. Das spüren unsere Hotels, Restaurants und Cafés unmittelbar. Zugleich hoffen wir, dass die Sommermonate wieder mehr Lust auf Ausflüge mit Gastro-Besuchen und Urlaub in der Heimat machen. Deutschland ist als sicheres Reiseland mit seinen vielfältigen attraktiven touristischen Möglichkeiten gut aufgestellt.
Auch bei Geschäftsreisen ist Deutschland weltweit führend. Präsenzveranstaltungen gewinnen wieder an Bedeutung. Eines ist klar: Persönliche Begegnungen, gemeinsames Essen und der direkte Austausch sind durch nichts zu ersetzen. Aber: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen.